Klassische Werbung – die Monolog(un)kultur
Googlesuche in 200?

Der Reichweitenwahn

Wikipedia schreibt zu "Reichweite" schlicht und einfach: "die Menge einer Zielgruppe, die mit Hilfe des Marketing erreicht wird. Häufig bezogen auf eine Marke oder einen claim." Es stellt sich aber nicht die Frage, wer wie (möglicherweise) erreicht werden könnte, sondern wer wirklich erreicht wurde und (noch wichtiger!) was damit erreicht wurde.

Zu vermuten ist, dass das Mailing den Briefkasten treffen wird, der Bus mit einem aus der Zielgruppe am Plakat vorbeifahren wird und ein Leser sich der Gefahr aussetzen wird und im neuen Focus blättert. Eine Unmenge von aufgestellten "Botschafts-Fallen" ist also aufgestellt. Ist die Zielgruppe damit erreicht? Weit gefehlt, denn das Mailing landet ungeöffnet im Müll, der Busreisende liest lieber in einem Buch statt aus dem Fenster zu sehen und der Focusleser kann schnell genug weiterblättern. Tausende von Fallen schnappen also gar nicht erst zu. Schon das ist eine wahre Geldverschwendung – von der Umwelt- und Sinnesverschmutzung mal ganz abgesehen.

Aber es kommt ja noch besser: einer öffnet das Mailing, liest "Wir sind die Besten" und denkt das Gegenteil; der andere sieht das Plakat, kann den Inhalt aber nicht schnell genug erfassen und ordnet die Botschaft dem falschen Unternehmen zu und der letzte ärgert sich schon wieder darüber, dass er den Anschluss des Artikels auf den nächsten Seiten nicht findet und hält die Flut von Anzeigen sowieso für unsinnig. So schwindet nicht nur die Zahl der Erreichten weiter, nun fangen die Empfänger auch noch an, die Botschaft in den falschen Hals zu kriegen.

2 bis 3 % Rücklaufquote machen ein Mailing schon erfolgreich und für Plakate und Anzeigen stellt die "Opportunity to see" schon einen Wert dar. Hallo? Dieser Reichweitenwahn "reicht weit" um unverhältnismäßig viel Geld auszugeben und dabei zu wenige oder nicht messbare Ergebnisse zu erzielen.

Marketeaser wissen, dass sie mit der "one to many"-Methode nicht erfahren, wen sie erreichen. Und damit auch keine Beziehung aufbauen können. Die bevorzugte Form der Marketeaser ist eindeutig die "one-to-some"-Methode. Dabei ist von vornherein nicht das Ziel eine große Masse zu erreichen, sondern einige wenige. Es sind diese wenigen, die die Werbebotschaften weitertragen. Denn eine Werbebotschaft wird erst dann erfolgreich, wenn sie sich verselbständigt.

Kommentare

andosch

nur dass ich es verstehe. euer Begriff ist letztendlich "nur" ein anderer Begriff für "Sensation Marketing" (von den webguerillas). Und dieser Begriff ist wiederum "nur" ein Oberbegriff für die Bausteine Guerilla Marketing
Viral Marketing, Buzz Marketing.
Aber meiner Meinung nach habt ihr alle Recht. Die Klassische Werbung ist zu klassisch ;-) Her mit den "opinion leader"!
Gruße aus Hannover nach KN
Andy

Jan Erik Meyer

"Sensation Marketing" setzt (lt. webguerillas.de) auf ein Feuerwerk an Unterhaltung um die Abneigung gegenüber Werbebotschaften zu umgehen. Sie verfolgt damit - ggf. recht Aufsehen erregend (aber auch wirkungsvoll?) - das "Push-Prinzip" um die Marke zum Thema zu "drücken".
Werden die Anwesenden beteiligt und eingebunden (werden sie also ein Teil der Botschaft) oder "nur" unterhalten? Werden sie nur die Aktion oder auch die Botschaft in Erinnerung behalten und (!) die relevante Botschaft (und nicht die tolle Aktion!) als erzählenswerten Mehrwert weitergeben?

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