Mundpropaganda im TV
Der Reichweitenwahn

Klassische Werbung – die Monolog(un)kultur

Warum wehre ich mich eigentlich gegen "die" klassische Art Werbung zu betreiben? Weil sie – mehrheitlich und mit respektlos penetranter Ausdauer – die Zeit der Aufmerksamkeit missbraucht, die Skepsis an der Botschaftsrelevanz immer weiter schürt, dem pauschalisierenden Misstrauen immer weitere Beweise hinzufügt und die Kommunikationskanäle so verstopft und schließlich verschließt. Sie hat eine Abwehrhaltung hervorgerufen, die als gängige Blockadenotwendigkeit hingenommen wird und unseren Alltag (mit)bestimmt. Bedenklich ist, dass sich diese Abschottung im täglichen Umgang miteinander isolierend auswirkt.

Was haben wir nicht alles schon dagegen aufgebaut? Der Aufkleber auf dem Briefkasten, der Eintrag in die Robinsonliste, das Wegzappen im Fernsehen, das Umschalten im Radio, den Popup- oder Ad-Blocker, den Junk-Filter, und und und. Wie haben wir uns daran gewöhnt, alles dafür zu tun, um nicht in irgendeiner Adressdatenbank zu landen? Wir stehen gar nicht oder nur teilweise im Telefonbuch, haben die Adressweitergabe im Einwohnermeldeamt blockiert, nehmen an keinem Preisausschreiben mehr teil, verbieten (wenn’s denn hilft) mit einem Klick dem Versandhandel die Weitergabe unserer Daten und lassen uns auf der Straße schon gar nicht ansprechen.

Die Botschaft ist eigentlich ganz klar: Diese Werbung erzielt Aufmerksamkeit – Ablehnung! Sie hinterlässt auch eine Wirkung – Missbilligung! Weil mir das aber noch nicht reicht, schreibe ich hier in Zukunft über meine Tops und Flops aus der Welt der Kommunikationsmaßnahmen – speziell der Werbung – und arbeite gerne daran, die Denk- und Handlungsweisen des Marketeasing zu verbreiten und dabei weiter zu entwickeln. Ich freu mich also auf einen regen und weiterführenden Gedankenaustausch.

Kommentare

Lucas von Gwinner

Hallo Herr Meyer,
Hallo Herr Röthlingshöfer,

gratuliere zur Blogeröffnung, bedanke mich für das Zitat meiner Buchkritik auf der Startseite und freue mich das es nun einen zentralen Ort gibt an dem die Ideen zum Marketeasing zusammengetragen werden.

Besten Gruß aus dem sonnigen München,
Lucas von Gwinner

Tabea Knabe

Hallo zusammen,

ich bin gerade dabei, dass Buch zu lesen und bis jetzt ziemlich begeistert.
Die einzige Werbung, die mich privat interessiert, sind die wöchentlichen "Blättchen" der örtlichen Händler. Und warum? Damit ich weiß, was ich wo in der kommenden Woche günstig bekomme, welche Sonderangebote es gibt.
Da ich auch viel Radio höre, und somit auch die Werbung, wenn ich sie mal wirklich anhöre, kann ich nur sagen: rausgeschmissenes Geld! Zum Beispiel Werbung für irgendeine Automarke, wieviel Prozent der Bevölkerung denken gerade über die Anschaffung eines Neuwagens nach???? Und wieviele von denen hören gerade Radio?
Ein Beispiel für völlig überflüssige Radiowerbung: Auf SWR1 lief kürzlich eine zeitlang ein Spot für eine Demeter-Bäckerei in Stuttgart. Diese hat nicht einmal Filialen irgendwo, sondern nur eine Verkaufsstelle, eben in Stuttgart. Und ich habe freilich nichts besseres zu tun, als von der Alb runter nach Stuttgart zu fahren, um mein Brot zu kaufen... Auch wenn es noch so biologisch ist, sorry! Diese Werbung ist wirklich flüssiger als Wasser.
Aber da ich selbst einiges mit Marketing zu tun habe, aber eben im B2B-Bereich, würde ich mich über Anregungen auf diesem Gebiet freuen. Einige Ihrer Ideen lassen sich übertragen, aber dennoch nicht alle.

Gruß von der schwäbischen Alb,
Tabea Knabe

Jan Erik Meyer

Der Radiospot hat die "relefante" Botschaft offenbar verfehlt: es gibt über 100 Filialen (und nicht nur in Stuttgart). Siehe http://www.baecker-lang.de/filialen1.php
Neue Anregungen zu finden, von praktischen Beispielen zu erfahren oder auch selbst darüber zu berichten - dazu wird es hier immer Gelegenheit geben.

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