Die besten Außenwerbeflächen sind die, die man selbst entdeckt
Spiegel Online über virales Marketing

Wer braucht eigentlich Reichweite?

Ich halte ja von Sinner Schrader im Allgemeinen und von deren Leiter der Unternehmenskommunikation Mark Pohlmann im Besonderen eine ganze Menge. Aber von diesem Satz halte ich gar nix.

"Nicht ohne Grund ist Deutschland E-Commerce-Weltmeister, aber Web-2.0-Anfänger. Beispiel: Trotz des ganzen Hypes um Blogs gibt es nur ein einziges mit Reichweite"

Das ist umso verwirrender als Mark Pohlmann später noch den folgenden Satz sagt:

"Ich persönlich glaube fest an das Ende der klassischen Werbung zugunsten eines Empfehlungsmarketings. Der Kunde ist der wichtigste Multiplikator einer Marke, eines Produktes."

Reichweite? Wer braucht eigentlich Reichweite? Doch nur der, der seine Unterbrecherwerbung an möglichst viele Adressaten raushauen will. Leute die ihre Werbebotschaften „penetrieren“ wollen. Alle anderen brauchen was anderes: Zuhörer, Leser, Kunden - also Beziehungen zu Menschen.

Und Blogs? Blogs brauchen keine Reichweite. Blogs dienen dem Aufbau von Beziehungen. Beziehungen, die Blogschreiber zu Bloglesern haben und Blogleser untereinander. Nennt es meinetwegen Community. Wer Blogs mit Reichweite sucht, der landet schnell bei einer elektronischen Bildzeitung.

Natürlich verstehen die Zahlenschubser aus der Mediaabteilung das Blogphänomen ganz anders, weil deren gesamtes Vokabular aus der Old School Medienwelt herüberkommt. Als der Begriff Reichweite noch passte, regierte in Deutschland noch Konrad Adenauer und Peter Kraus galt als coole Socke.

Höchste Zeit, dass Ihr Euch mal ein neues Vokabular sucht. Gefunden bei Robert Basic.

Kommentare

Mark Pohlmann

danke für den hinweis. wer braucht reichweite? die wirtschaft braucht reichweite. nicht für die werbung. für die produkte.

Ed Wohlfahrt

nachdem das mit Trackback nicht funktionieren will, hier der Link: http://edwohlfahrt.blogs.com/blogdog/2006/08/brauchen_weblog.html

hartensteyn

Pohlmann, den ich zu nächtlicher Stunde nochmal genau gelesen habe, hat ebenso eine richtige Sicht der Dinge wie Bernd Röthlingshöfer, nur ist das keine Diskussion, da es keine Kontriverse gibt. Oder? Die Wirtschaft braucht "Reichweite" - hat sie ja über das Advertising, das aber tatsächlich immer weniger wirkt. Blogs brauchen Beachtung und Vernetzung, keine Reichweite, und Röthlingshöfer polarisiert ja mit seinen tw provokanten Thesen absichtlich ("die klassische Werbung ist tot"). Die schwache Reichweite vieler Blogs resultiert dennoch aus ihrer Contentschwäche. Es tut sich zuwenig, was den User zum Reinschauen reizt. Siehe Germanblogs: öde.
Gruss vom Hanno H.

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