Eigenlob stinkt nicht
Unerwünschte Werbung

Amazon Advantage: der Angriff auf Libri & Co?

Ist das neu oder habe ich das nur noch nicht bemerkt? Jedenfalls sticht mir da heute auf der Amazon Website unter dem Link zum Partnerprogramm der neue Begriff „Advantage“ entgegen. Was ist Advantage? Einfach mal draufgeklickt:

"Ein einfacher, direkter und kostengünstiger Weg, Ihre Produkte über Amazon.de zu verkaufen. Über Amazon Advantage können alle Anbieter von Medienprodukten, vom Buchverlag, Plattenlabel und Filmanbieter bis zum Autor im Selbstverlag, direkt auf Amazon.de anbieten und verkaufen."

Und das ist das Angebot:

"Amazon nimmt von jedem Artikel, der am Programm teilnimmt, mindestens ein Exemplar auf Lager und fordert entsprechend des Kundenbedarfs weitere Exemplare an. Die im Amazon-Logistikzentrum gelagerten Artikel bleiben bis zur Kundenbestellung Eigentum des Lieferanten. Der Lieferant stellt Amazon monatlich eine Rechnung über alle von Amazon verkauften Artikel."

Damit bietet Amazon Kleinst- und Selbstverlegern eine funktionierende Logistik an. Eine die sie sonst nur über die Listung bei einem der Großhändler, im Buchhandel Barsortimenter genannt wie Libri oder KNV erreichen könnten. Das ist natürlich nicht kostenlos – wie Libri nimmt auch  Amazon für seine Logistikdienstleistung Geld.

Eine Pauschale:

"Für die Teilnahme am Programm erheben wir eine Jahresgebühr in Höhe von EUR 49,90 (inkl. USt). Die Gebühr buchen wir einmal jährlich von Ihrem Konto ab. Für das erste Jahr zahlen Sie die Gebühr nur ab dem Monat, in dem Sie sich anmelden."

Eine prozentuale Gebühr:

Für Lagerhaltung, zielgerichtete Vermarktung und Plattform: 5% vom (empfohlenen) Verkaufspreis.

Und streicht wie jeder Buchhändler seine Marge ein:

Advantage: 50% v. (empfohlenen) Verkaufspreis
Advantage Premium* (über EUR 75.000 Netto-Einkaufsvolumen pro Jahr): 48% v. (empfohlenen) Verkaufspreis
Advantage Professional* (Fachbuch): 40% v. (empfohlenen) Verkaufspreis
Advantage Professional Premium* (über EUR 75.000 Netto-Einkaufsvolumen pro Jahr): 38% v. (empfohlenen) Verkaufspreis

Was bleibt nun für den Autor/Kleinverleger hängen? Amazon rechnet folgendes Beispiel vor:

Beispielrechnung Buch

Verkaufspreis inkl. 7% MwSt: 19,95 EUR
./. MwSt 7%: 1,31 EUR
= netto VK: 18,64 EUR

./. Lagerhaltung, zielgerichtete Vermarktung und Plattform 5% v. netVK: 0,93 EUR
./. Rabatt 50% v. netVK: 9,32 EUR
= netto EK: 8,39 EUR

Amazon zahlt Ihnen 8,39 EUR aus.

Rechnen wir mal die andere Schiene, Vermarktung mit Books on Demand dagegen: Da kommen wir bei einem vergleichbaren  Buch zum VK 19,95 auf eine Nettomarge von 5,05 Euro.

Also bei Amazon macht man ein sattes Plus von 3,34 Euro!

Fazit: Klasse Sache für Autoren, die über das Internet selbst vertreiben wollen! Womöglich auch attraktiv für Verlage, die das Barsortiment aufgrund der Kosten nicht beschicken wollen.

Kommentare

Stephan

Das Amazon-Advantage-Programm läuft seit März 2006. Zumindest wurde es damals vom Unternehmen vorgestellt.

Karsten Büttner

Vielleicht rechne ich ja anders ...
Denn den satten Überschuss gegenüber Amazon sehe ich ja noch nicht. Bei BOD ist zwar die Marge vielleicht nur 40 Prozent, aber dafür ist das Buch auch gedruckt und die gesamte Verwaltung wird auch übernommen.
Die Provisionierung bei Amazon bezieht sich doch wohl auf die reine Vermarktung/Verwaltung/Logistik, nicht jedoch auf die Produktion des Buches. Wenn ich anderweitig digital produzieren lasse, habe ich den Aufwand, dass ich Amazon die Bücher schicken muss. Habe ich vorproduziert, habe ich ein Kostenrisiko bzw. bin in Vorleistung getreten, habe Kapital gebunden.
Als Alternative zum BOD sehe ich Advantage nicht, eher wenn man als Kleinverlag ohnehin im Offsetverfahren hat drucken lassen.

Frank

Puh, gut dass ich das gelesen habe. Stand kurz vor Vertragsabschluss mit BoD.

Ralf Ortmayr

Man muss aber auch bei dem Programm eine große Portion Geduld mitbringen vor allem wenn man das Buch nach dem Erscheinungstermin listet.
Bei uns lief das so ab:
21.08 Erster Anmeldeversuch -es gab Probleme beim Anmelden- wurde nach E-Mail an Amazon behoben- keine Ahnung woran das lag.
22.08. Registrierung -Bestätigungsmail bekommen. Gab Probleme beim Listen des Artikels- meine Mail wurde an die Technikabteilung weitergeleitet.
23.08 Artikel konnte gelistet werden.
Coverbild wurde hochgeladen (ftp-Programm notwendig).
28.08. Artikel ist bei Amazon gelistet auf Anfrage heisst es, dass es nochmal 7-10 Tage dauert bis die erste Anforderung von Amazon kommt.
04.09. Es ist soweit! Die ersten beiden Bücher werden bestellt und natürlich sofort (also am nächsten Tag abgeschickt, da die Mail um 22:06 eintraf).
11.09. Die Bücher werden einbucht und der Versandstatus ändert sich zum ersten mal von 4-6 Wochen auf 24 Stunden. Die beiden Bücher sind am gleichen Tag verkauft und der Verkaufsrang springt steil nach oben!
12.09. Auf Anfrage ist immer noch ein Buch am Lager obwohl der Verfügbarkeitsstatus wieder auf 4-6 Wochen geändert wurde und der Verkaufsrang langsam wieder sinkt.
14.09. Nach mehrmaliger Anfrage wurde mir mitgeteilt, dass die Anforderungen immer nur montags per e-Mail verschickt werden!!!
Der Status bleibt auch trotz mehrmaligen Hinweis, dass wir noch Bücher haben und sie bei erneuter Anforderung sofort abschicken bei 4-6 Wochen.
Bin auf die nächste Bestellung gespannt- angeblich errechnet das Programm die Bestellmenge aufgrund von der Historie- wie die bei einer Bestellung alle 14 Tage errechnet wird ist mir ein Rästel.
FAZIT: Absolut unflexibel und man fühlt sich als Advantage-Programm-Teilnehmer als Lieferant 3. Klasse.
DER WITZ IST: Amazon schreibt in den Bedingungen: "Unser Bestellprozess läuft automatisch. Er richtet sich nach Verkäufen, Verkaufsprognosen und unserem eigenen Bedarf an Beständen, um Ihre Titel als innerhalb von 24 Stunden verfügbar halten zu können."

Das ist unmöglich wenn nur montags bestellt wird und das in unglücklichen Fällen (wenn das Buch am Wochenende oder am Montag danach verkauft wird) nur alle 14 Tage!!!

Ferner steht in den Bedingungen :
"Wenn wir uns für die Aufnahme eines Titels entschieden haben, senden wir Ihnen eine Anforderung für die Anfangsstückzahl. Sobald unser Lagerbestand dieses Titels unter eine von uns festgelegte Stückzahl fällt, werden wir weitere Exemplare dieses Titels bei Ihnen anfordern."
Zwischen den Zeilen steht aber nicht, dass die Anforderungen nur montags verschickt werden.
Es wurden in der Zeit genau so viele Bücher über das andere Programm Market Place verkauft wie über Amazon direkt.

Gerade sehe ich in den Bedingungen :
"Es kann bis zu zehn Geschäftstage dauern, bis ein Artikel in unserem Logistikzentrum eintrifft, und bis zehn Geschäftstage, bis Sendungen nach ihren Eingang bearbeitet sind."
Man soll sich ferner nach 20 Geschäftstagen melden, falls etwas nicht eingebuch ist...

Irgendwie dachte ich, dass bei Amazon alles fix geht...

Übrigens steht bei den Konditionen noch, das s sich Amazon nochmal 2% Skonto abziehen darf...für uns ist es eine reine "Image-Sache" bei Amazon gelistet zu sein...verdienen kann man da nur bei großen Stückzahlen.

Petra

Auch wenn es jedem selbst überlassen ist, mit wem man Verträge abschliesst - die Konditionen des Advantage-Programms sind nur deshalb möglich, weil Amazon der alles verdrängende Platzhirsch ist. Ich meine, wenn man solche Konditionen bei den Anbietern aufruft, kann man auch ohne Probleme dicke Rabatte an den Endverbraucher weitergeben.

Für die Lieferanten des Advantage-Programms tut unten aufgeführtes echt weh:

50% Rabatt vom Verkaufspreis
2% Skonto
Lieferung auf eigene Kosten (ist klar)
evtl. Bearbeitungsgebühren, die "nach Aufwand" anfallen und berechnet werden
Teilnahmegebühr: 49,95 EUR - jährlich, versteht sich!

Als Anbieter ist man dann schon förmlich gezwungen, für die Ware einen völlig überteuerten Preis (UVP) zu veranschlagen, was sich natürlich sofort negativ auf den eigenen Umsatz auswirkt. Ruft man bei Amazon.de dann ab und zu seine eigenen Artikel auf, stellt man fest, dass die Verkaufspreise aufgrund systemtechnisch bedingter Mängel hin und wieder um mehr als 25% schwanken. Auf meine Nachfrage nach dem Grund teilte mir Amazon mit, dass die Festlegung der Verkaufspreise im ERMESSEN von Amazon liegt!

Fairer und eindeutiger sind da für mich die Bedingungen von Amazon.com: The Advantage program costs $29.95 per year for unlimited title enrollment. The commission rate is 55% – you keep 45% of the List Price, which you set.

45% from "which I set" ist mir immer noch 10x lieber als 48% (und natürlich abzgl. etwaiger Bearbeitungsgebühr) von einem Preis, den Amazon nach eigenem Ermessen festlegt...oder nicht? Achso, die kleine Differenz in der Jahresgebühr hätte ich fast übersehen.

Nach einem Jahr Teilnahme am Advantage-Programm habe ich die Nase gestrichen voll. Die Umsätze lassen aufgrund der künstlich hohen Preise stark zu wünschen übrig. Auf mein eigenes Kaufverhalten bei Amazon hat sich das ebenfalls ausgewirkt - dort bestelle ich nur noch, wenn es den Artikel wirklich nirgendwo anders mehr gibt.

Auf ganzer Linie sympathischer und - was die Konditionen anbelangt - WESENTLICH humaner ist die Firma JPC...ich hoffe, dass es sie noch lange geben wird...

Jens

Ich gehe mit meinem Vorredner mit:

1. 55% Rabatt vom Verkaufspreis (inzwischen)
2. 2% Skonto bei Rechnungslegung
3. Lieferung auf eigene Kosten
4. evtl. Bearbeitungsgebühren "nach Aufwand"
5. Teilnahmegebühr: 49,95 EUR pro Jahr
6. Steuern für Amazons Gewinn landen auch noch im Ausland

Wir steigen da jetzt aus, das ist einfach viel zu viel. Außerdem fiel uns auf, daß im Prinzip einfach nur eine Kundenmigration stattfand, daß also Kunden, die vorher im Laden oder direkt bei uns zu viel bessern Konditionen gekauft hatten, zum bequemeren Amazon abgewandert waren. Da schneidet man sich also ins eigene Fleisch. Finger weg von Amazon. Marketplace kann sich allerdings lohnen.

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