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Unterwegs

Was man von Edelman lernen kann

Das muss man der drittgrößten PR-Agentur der Welt hoch anrechnen. Sie macht ihren Auftraggebern und uns staunendem Publikum öffentlich vor, warum man Corporate Blogs erst gar nicht einsetzen sollte.

Vermutlich ist das ein herber Rückschlag, nicht nur für die Edelmänner, die sich wie der Erzfeind verhalten haben, sondern für die ganze junge aufkeimende Branche der Blogberater überhaupt.
Worum es geht? Das wurde bereits hier und hier ausführlich dokumentiert. Übrigens – bereits im März diesen Jahres wurde an dieser Stelle ein kritischer Blick auf diese Agentur geworfen.

Großunternehmen (und dazu zählt Edelman mit 2.000 Mitarbeitern nun mal) sind nicht Web-2.0-fähig.

Der dezentralen Organisation des schnellen Web steht die zentrale Organisationsstruktur mitsamt ihren Hierarchien und Entscheidungswegen gegenüber. Die sind grottenlangsam, in Abteilungsklüngel und Kompetenzgerangel verstrickt. Und die Rechte weiß fast nie, was die Linke tut.
Den Informationsfluss innerhalb solcher Unternehmen schnell und effektiv zu organisieren, bekommen die meisten nicht mal in Friedenszeiten hin. Bei schnell auftretenden Krisen von außen reagieren sie also viel zu spät.

Aktionen mit gefakten Bloggern, gefakten Blogs oder Pressemitteilungen machen eine gründliche Zerstörungsarbeit.

Im Falle von Edelman verliert das Image des Kunden und das Agentur. Der Arbeitgeber Edelmann diskreditiert auch alle seine Mitarbeiter, die sich von solchen Methoden distanzieren und an den offenen Dialog geglaubt haben. Bei einer Company, die sowohl als Lügner als auch PR-Versager in der Öffentlichkeit dasteht, wird man nicht gerne arbeiten wollen. Vermutlich haben die Edelmänner auch den Markt für Corporate Blogs schwer beschädigt.
Frage: Warum tut Edelman das dann eigentlich? Da liegt nur eine Antwort nahe: Weil sie es können. Weil es mit der Manipulation der klassischen Medien nicht anders läuft.

Wer heute das Thema Corporate Blogs und Kommunikation mit Bloggern anfasst, der sollte sich vorher im Klaren sein:

  • Ist mein Unternehmen für eine offene, ehrliche Kommunikation bereit?
  • Können wir Transparenz auch wirklich leisten?
  • Wie müssen wir unsere Entscheidungsstrukturen verändern und Kompetenzen verteilen, um in Krisensituationen kompetent und sofort antworten zu können?
  • Haben wir überhaupt fähige Leute für diese Art der Blog-Kommunikation?

Für die neue Art der Blog-Kommunikation brauchen Agenturen und Unternehmen auch neue Leute.

Bis jetzt ist die Blog-Kommunikation eine Aufgabe, die Old School-Werber in Media, Werbe- und PR-Abteilungen so nebenbei erledigen – mit einer Denke und Alltagsaufgaben,  die zu 98% aus der Old School-Welt besteht. Diese Mitarbeiter mal eben in die neue Web-2.0-Welt zu senden, halte ich für fahrlässig.

Fazit: Solounternehmer, Kleinunternehmer und Mittelständler, die noch dialogfähige Unternehmerpersönlichkeiten im Zentrum haben, sind die idealen Anwender der Web-2.0-Werkzeuge. Andere lassen lieber die Finger davon.

Kommentare

Ed Wohlfahrt

Dem mit den 98% Old School stimme ich voll zu. Andererseits, zu sagen, Großunternehmen wären nicht Web 2.0 fähig, nur weil sie eben groß sind, das finde ich nicht haltbar. Zu viele Großunternehmen bzw. darin arbeitende Einzelpersonen bloggen und zwar sehr erfolgreich.

Ja, es stimmt. Die Edelmänner, für mich v.a. Rubel, haben ziemlich tief ins Klo gegriffen. Sie haben sich, und was noch viel schlimmer ist, dem Thema Corporate Blogging keinen guten Dienst erwiesen. Hab dazu auf meinem Blog eine Befürchtung gepostet. Andererseits kein Schaden ohne gleichzeitigem Erkenntnisgewinn. Edelman wird lernen, und v.a. die PR 2.0 Community wird lernen. Und das ist schließlich auch etwas, das das was unser aller Vehikel - nämlich das Bloggen - professionalisieren, sprich nach vorne bringen kann, oder?

Bernd Röthlingshöfer

Die Liste der Erfolgreichen würde mich aber nun wirklich interessieren.

Ja auch Großunternehmen können bloggen - wenn sie die Voraussetzungen dafür schaffen und das sind nicht wenige.

Ed Wohlfahrt

wie wärs


mit GM, Microsoft, SAP, Boing, Dell, etc. etc. die bloggen, so ich denke sehr erfolgreich. Natürlich sind dazu Voraussetzungen, Grundlagen, etc. nötig. Hab ihren Einwand schon verstanden, wonach Corps lange Wege und schwerfällige Entscheidungsstrukturen haben. Wenngleich dies das Bloggen natürlich erschwert, kann es dies meiner Meinung nach weder verhindern noch verunmöglichen.

Rolf Schroeder

Die meisten Unternehmen die mir aus Binnensicht bekannt sind, sind zur Zeit nicht in der Lage eine unkontrollierte Kommunikation ausuzuhalten. Dennoch wollen sie es, sehen die Notwendigkeit und auch den Nutzen. Meiner Meinung nach braucht es dafür Zeit. Zeit in der sie Erfahrungen machen, Zeit auch um zu sehen, wie gehen andere Unternehmen damit um, wenn z.B. massive Kritik etc. über sie hereinbricht. Es ist wie im Web 1.0. Auch dort waren die großen langsam, stolpernd und unsicher. Ihr Weg ins Web 2.0 wird ähnlich verlaufen.

Thorsten Ulmer

Ich habe mich im Rahmen meines letzten Blog-Eintrages genau mit demselben Thema beschäftigt.
Wen's interessiert:
http://thorstenulmer.twoday.net/stories/2821858/

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