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Wie man im Jahre 2007 "netzwerkt"

Der Tag, als mir ein stubenreines Buch begegnete

"Gehet hin und werbet für euch", sagte der großgemächtige Verleger zu seinen kleinen Autoren. "Vor allem, bringet die Rezensionsexemplare selbst an den Mann."

Der Kölner Autor Michael Krupp formuliert ein Werbeanschreiben an Rezensenten - gar nicht mal uncharmant. Aber das Wichtigste hat er vergessen: Die bibliographischen Angaben zu seinem Buch.

Manchmal vergessen wir halt das Selbstverständliche zuerst. Zum ganzen Anschreiben:

Sehr geschätzte xy,

der bayerische Wiesenburg Verlag scheint gerade seine Spendierhose zu besteigen. Deshalb werden noch ein paar Rezensionsexemplare mehr verschickt als üblich, einzige Bedingung: Der Literat soll selbst Interesse wecken. Naja, dann versuche ich mich mal eben als Marktschreier. Der unglaublich frische, ebenso schlanke wie tragikomische Roman 'Spätfolgen' des preisgekrönten Kölner Autors Michael Krupp sucht ein neues Zuhause. Er ist genügsam, stubenrein und lässt sich aufgrund seines broschierten Handtaschenformats bequem überallhin mitnehmen. Sagen Sie nur ein einziges Wort - und der kleine Racker läuft ruckzuck zu Ihnen und legt sich ganz brav auf Ihren Schreibtisch.

PS: In Wahrheit handelt es sich natürlich um die absolut spröde Geschichte eines Paares im dörflichen Vorruhestand. Völlig vorhersehbar drohen die Beiden bereits an geringfügigen Widerständen zu scheitern. Der Mann an seinem Stock, die Frau an ihrem Frühjahrsputz. Am Ende erwartet sie eine Fuchsjagd auf der Kegelbahn sowie ein Autounfall mit Flurschaden. Und im Prinzip war das schon alles. Und ehrlich gesagt, der Autor dieses Buchs ist ein bodenloser Lügner. Glauben Sie mir, ich kenne ihn schon länger.

Mit besten Grüßen,
Michael Krupp

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