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Heute keine Werbung

Das Marktforschungsinstitut microm (Slogan: Keiner ist näher am Kunden) warnt davor, Werbung für Luxusgütern in den neuen deutschen Slums zu betreiben - dort wo das Prekariat zuhause ist. Schon beim Begriff Prekariat, der einen guten Teil der Bevölkerung auf mieseste Weise etikettiert, wird mir speiübel.
Deshalb eine Bitte: Denkt mal einen Tag lang nicht über Werbung nach. Sondern macht Euch Gedanken über unsere Gesellschaft, die eine Spaltung in Arm und Reich nicht verhindert, sondern sie gerade planmässig vorbereitet. Das Mindeste, was man dagegen tun kann: das Vokabular der Ausgrenzung und Diffamierung nicht zu übernehmen.

"Prekariat oder Upper Class - microm liefert Modell zur Identifizierung sozialer Schichten in der Gesellschaft

Die zunehmende Trennung zwischen arm und reich in Deutschland lässt sich inzwischen auch räumlich nachverfolgen. Während auf der einen Seite der Wohlstand wächst, nehmen die Existenznöte der sozial Schwachen immer drastischere Formen an. Arbeitslosigkeit und Zahlungsunfähigkeit sind zwei offensichtliche Merkmale des sozialen Abstiegs.

Diese zunehmende Polarisierung prägt immer mehr das Bild unserer Städte und Dörfer. Einerseits begrüßt die Wirtschaft den wachsenden Markt für Luxuswaren - andererseits stehen die öffentlichen Kassen vor der Aufgabe, die ohnehin knappen Mittel richtig zu verteilen. Gut ist es da zu wissen, wo die Jaguar-Werbung mehr als Neid erzeugt und wo die Problemgebiete sind, die gefördert werden müssen."

Zitat: Pressemeldung Microm

Kommentare

Armin

Hallo Bernd, Dein Artikel überrascht mich. Die Tatsache, dass ein gesellschaftlich beklagenswerter Zustand benannt wird, macht den Zustand, nicht aber den Begriff beklagenswert.
Schau mal in Wikipedia unter dem Begriff nach. Hier weist Du feststellen, dass gerade die politische Linke diesen Begriff verwendet: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft das, was das Proletariat in der Industriegesellschaft war“.

microm kenne ich nicht, bin damit auch weder verwandt oder verschwägert. Aufgefallen ist mir aber, dass Du die Pressemitteilung (aus spontanem Ärger?) nicht zu Ende gelesen haben scheinst. Hier steht nämlich: "Angehörige dieser sozial schwachen Schicht sind meist stark abhängig von sozialen Leistungen. Umso wichtiger ist es deshalb, in solchen Gebieten gezielt Reintegrations- und Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten und zum Beispiel die Förderung jugendlicher Arbeitsloser zu verstärken."

Ich reagiere sehr sensibel, auf vorschnelle Verurteilungen von Begriffen. Beispiel: Die Wahl des Begriffes "Humankapital" zum Unwort des Jahres 2004 hat ohne Nachdenken dazu geführt, dass den Vertretern dieser Richtung genau das unterstellt wurde, was sie NICHT erreichen wollten. Ich unterstelle kein politisches Kalkül, sondern mangelnde Recherche. Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht einverstanden, einverstanden ist nicht umgesetzt. ;-)

Liebe Grüße aus Frankfurt, Armin

bernd Röthlingshöfer

Hallo Armin. Auch wenns die Linke war, die den Begriff geprägt hat - eine gelungene Wortwahl war es wohl nicht. Man muss auch bedenken, dass sich Konnotationen zu Begriffen verändern - die Konnotate führen quasi ein Eigenleben, das man auch nicht per Definition einschränken kann. Also ich reagiere sehr sensibel auf die Verwendung von Begriffen ;-)

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