Publicity ist kein Zahlungsmittel
Es gibt ja eine Reihe von Kongreßveranstaltern in Deutschland, die meinen, die Chance vor einem irgendwie wichtigen Publikum aufzutreten zu dürfen, reicht als Bezahlung für einen Referenten aus. (Übrigens sind oft die Veranstalter, die die dicksten Eintrittsgelder von den Zuhörern kassieren genau die gleichen, die den Referenten nichts zahlen wollen). Viele Kongresse sind daher nix anders wie teure Butterfahrten - jeder preist seine Heizdecken an so gut er halt kann.
Jetzt hat offenbar auch Sinner Schrader seine Angel unter diese Heizdeckenvertreter geworfen:
"Sie sind Visionär und möchten Ihre innovativen Ideen einem Reality Check unterziehen? Dann suchen wir Sie als Referenten für das Innovation Camp auf der next07. Alle Zukunftsvisionen unter einem Dach, präsentiert von den wichtigsten Köpfen der Branche: Hier werden die Themen vorgestellt und diskutiert, die das Potenzial haben, im kommenden Jahr die Agenda zu bestimmen.
SinnerSchrader und die Deutsche Bank AG suchen gemeinsam innovative Ideen zur Präsentation in etwa zwanzigminütigen Vorträgen mit anschließender Diskussion."
Dumm nur: In einem Zeitalter wo jeder Bloggen oder sein eigenes Barcamp veranstalten kann, kann jeder seine visionären Ideen selbst verbreiten. Publicity ist Allgemeingut. Kein Zahlungsmittel.
Sorry, fast hätte ich den Preis übersehen:
"Als Preis für die interessanteste Zukunftsvision wird am Kongressabend von unserer Jury ein Venture-Capital-Beratungsgespräch vergeben".
Update! Don Alphonso sagt es weniger nett als ich, na klar. Bin zwar nicht immer seiner Meinung aber diesmal trifft er den Nagel auf den Kopf.
"Wenn ich das mal so direkt sagen darf. Solche Bewerbungen sind meines
Erachtens peinlicher für den, der sie will, als für den, der sie
erstellt. Komischerweise hat bei Ihnen offenbar keiner die Traute, Sie
auf die Erbärmlichkeit dieses Tuns hinzuweisen. Ich habe in meinem
Dasein schon viele Bewerber gesehen, die sich gewisser Dinge nicht
entblödeten - meine Verachtung aber gilt denen, die sie dazu bringen,
sich so an eine Klitsche ranzuschmeissen."
Dummerweise haben die Dialog-Experten von Sinner Schrader das Feingefühl groben Schleifpapiers und eine stoische Resistenz gegen Einsicht.



