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Organisierte Manipulation bei Amazon-Rezensionen

Das vermutet Verlagschef Wehren von Galileo Press und äußerte dies gegenüber Spiegel Online:

"Uns ist aufgefallen, dass verdächtige negative Rezensionen nie unter einem Realnamen auftauchen", berichtet Wehren. Mehrfach wurde sein Verlag, der sich auf Computer- und Designbücher konzentriert, Opfer vom Rezensionsmissbrauch bei Amazon...

Unter dem Deckmantel der Anonymität seien Titel aus dem Verlagssortiment gezielt schlecht gemacht und negativ bewertet worden. Diese Rezensionen wiederum wurden größtenteils als "hilfreich" eingestuft - ebenfalls von anonymen Kräften. Weiteres Indiz: Untypischerweise seien die Rezensionen von Usern verfasst worden, die nur einmalig unter einem Decknamen aufgetreten sind, aber nicht vergessen haben, eine Wunschliste zu hinterlassen, auf der sich Titel konkurrierender Verlage finden. Wehren geht davon aus, dass einige Rezensenten eine Vielzahl von Accounts benutzen und "regelrechte Tarnung" betreiben."

Dass es diese Manipulationen gibt, sowohl als bezahlte Schmähkritik als auch als geschmierte Lobhudelei weiß die Verlagsbranche. Leider nennen sie auch im Spiegel-Artikel keine Namen - denn die Angebote für bezahlte Rezensionen flattern ja regelmäßig über Verlagstische.

Ich persönlich kann bestätigen - die negativsten Kritiken zu meinen Büchern sind entweder anonym erfolgt oder unter Decknamen. Der Buchabsatz sinkt danach deutlich - viele Amazonkäufer, aber auch Journalisten und Blogger vertrauen den Rezensionen blind und stufen Bücher mit Negativrezensionen dann unbesehen als schlecht ein.

Persönlich will ich auch von solchen "Top-Rezensenten" wie dem Marketingprofi Werner Fuchs nicht rezensiert werden. Erstens ist er als Verfasser eigener Marketingbücher ohnehin befangen. Zweitens will ich nicht von einem Fließbandrezensenten besprochen werden, der mit einer Sachbuchbesprechung inkl. der Buchlektüre in einer Stunde durch ist.

Der ganze Artikel von Spiegel Online via Werbeblogger.

Ach so, darauf habe ich schon vor einem Jahr hingewiesen: Amazon und die Buchrezensionen

Kommentare

herbert

das mit den Kritiken ist ein Problem, da immer noch zuviele Leser glauben, sie seien eine ehrliche Meinungsäußerung.
Aber manchmal outen sich die Verfasser auch selbst, in dem sie zu erkennen geben, was Geistes Kind sie sind bzw. dass sie ein Buch schlecht machen, um ein eigenes oder ein anderes dadurch zu präferieren.

Marcelinho

Würde mich jetzt auch nicht immer auf die Rezensionen verlassen, aber leider bleibt einem oft nichts anderes übrig. Da ist dann wohl mehr Transparenz erwünscht und weg mit der Anonymität, was ja wiederum die Seriösität unterstreichen würde!

Martin Schobert

Das ist der Grund, warum Touristiker (ich bin Österreich Werber) auf offiziellen Tourismus-Websites dzt. noch selten Rezensionen, Kommentare etc. zulassen wie es beispielsweise schon die TUI Deutschland auf ihrer Website ermöglicht.

Die Österreichische Hoteliervereinigung bietet ihren Mitgliedern z.B. schon juristische Unterstützung bei negativen Bewertungen auf web-Plattformen wie tripadvisor, holiday-Check etc. an. V.a. weil viele Hoteliers - mehr oder weniger berechtigt - befürchten von Mitbewerbern oder unzufriedenen Gästen nachhaltig geschädigt zu werden. Obwohl ich ja mehr davon halte ungerechtfertigter Kritik bei Bewertungen pro-aktiv und sachlich zu begegnen (z.B. kostenlose Zusatzleistung bei nochmaligem Kommen um den Kritiker und andere potentielle Gäste vom Gegenteil zu überzeugen), statt drohend mit dem juristischen Zeigefinger zu winken. Aber bei manipulativen Aktionen ist es sichtlich dringend nötig rasch ein (juristisches) Exempel zu setzen.

Gibt es bei manipulierten Buchrezensionen bereits juristische Präzedenzfälle?

Sonja

Ich persönlich muss mich als jemand outen, der Rezensionen auf Amazon bisher *immer* anonym durchgeführt hat, egal ob sie letztlich negativ ausgefallen sind oder nicht.
Ganz am Anfang ging es mir im Grunde darum, meine Identität im Internet auf irgendeine Art und Weise zu schützen. Mittlerweile ist es ja so, dass es kein Problem darstellt herauszufinden, wer oder was ich bin (dazu muss man jetzt nur dem Link auf mein Blog folgen).
Es ist sicherlich nicht meine Art, sich für meine Meinung zu verstecken, aber ich fand es doch ein bisschen heftig, wenn irgendeiner meiner Bekannten herausgefunden hätte, dass ich "Kamasutra für Dummies" nur deshalb schlecht fand, weil Stellung 232 zu einem Bandscheibenvorfall geführt hat. ;)
Spaß beiseite: Mir ist es bisher nicht in den Sinn gekommen, an der Echtheit der Rezensionen an sich zu zweifeln. Und dann muss ich ehrlich zugeben, dass die meisten meiner Rezensionen eher negativ ausgefallen sind....

J. Balster

Trotz, dass viele, vor allem kleinere Portale diese Art an Bewertungen wieder abschaffen, stört dies große Portale kaum. Mit dem Internet ist das Denunzieren leichter geworden.
Auf Nachfragen bei jenen Portalen, lautet es lapidar, sie wünschen sich eine spannende Diskussion. Dabei könnten sich die Betreiber Denunzianten fern halten, indem sie nur Bewertungen etc. zulassen, wenn auch dieses Produkt bei ihnen gekauft wurde.


Markus Hübner

Es wäre sicherlich von Vorteil wenn auch Amazon ein "rated member modell" einführt, bei dem man noch einige qualitativ verwertbare Informationen über den Rezensionsverfasser erhält.

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