Der Serienmörder oder wie erschrecken Sie Ihre Freunde
Hören Sie auf normal zu sein

Bitte ganz schnell dichtmachen

Das IBM-Blog mein ich. Das dürfte wohl das schwächste Fake-Blog sein, das mir jemals untergekommen ist.

Ein fiktiver Herr Bremer, IT-Leiter der Firma Panta Rhei berichtet aus seinem Alltag. ("Eingestellt um die IT neu aufzustellen und die Kosten zu senken, habe ich den Drang, mehr zu bewegen und die IT auf eine neue Stufe zu heben.") Um Aktivität auf diesem Textfriedhof vorzutäuschen, werden auch die Kommentare mit unsäglichen Texten versehen: "Hallo Bremer! Na, wie lief der Workshop? Ist auch jeder gekommen, der zugesagt hat ? ;)War es eigentlich kein Problem einen zeitnahen Termin mit den IBMern zu finden? Die Nachfrage nach diesen Roadmap Workshops müsste ja riesig sein. Nachdem was man im Netz so alles liest, werden sich die meisten größeren Unternehmen früher oder später ohnehin mit dem Thema auseinander setzen (müssen?)" Unter dem Stichwort Blogroll werden übrigens PDF-Dokumente verlinkt. Und dann ist das Ganze auch noch grottenschlecht geschrieben.

Mannomann. Das hätte im Sommer 2007 nicht mehr passieren dürfen. Mein Rat: Schnell dichtmachen, bevor jemand zu Schaden kommt.

PS. Nun ist es nicht so, dass ich generell gegen Blogs von fiktiven Personen bin. Für Horst Schlämmer habe ich mich damals begeistert. Aber der millionenfache Erfolg von Blogs liegt schließlich darin, dass die Leser an den Erfahrungen und Erlebnissen realer Menschen teilhaben wollen.

Kommentare

wolfgang

Immerhin wird mit offenen Karten gespielt, was in anderen Fakeblogs (auch bei der Schlämmer-Geschichte) nicht der Fall war.

Und es dürfte klar sein, dass IT-Arbeiterromantik nicht so viel WOM-Willen hinterm Ofen hervorlockt wie ein Herr Kerkeling.

Im Vergleich sind beide unauthentisch, aber "Bremer" scheint mir eine Spur ehrlicher zu sein.

Mich wundert nur, dass gerade jetzt, nachdem der Zug für Business-Blogs schon eine Weile abgefahren ist, wieder ein "größerer" Versuch mit eher klassischer Denke startet.

Bernd Röthlingshöfer

Was ich mit dem Vergleich sagen wollte - ein Fake-Blog ist für mich akzeptabel solange es perfekte Unterhaltung bietet. Dem Bremer Blog liegt eine didaktische Absicht zugrunde, die an gestandenen IT-lern vorbeigeht.

wolfgang

Für mich ist eben ein Werbeblog akzeptabel, wenn das Unternehmen die Leser da draußen nicht verarschen und für blöd verkaufen will. Aber sicher bin ich da viel zu "old school".

Oliver Nickels

Hallo Herr Röthlingshöfer,

schön, daß Ihnen unser Blog nicht gefällt. Gute Werbung soll bekanntlich polarisieren, und darf deswegen nicht Allen gefallen. Und Ihre Beschäftigung damit zeigt mir zumindest, daß unsere Kampagne auffällt. Also warum sollten wir unseren Bremer-Blog dichtmachen? Ich habe auch das Gefühl, daß Sie hier einem Irrtum unterliegen: Marketing muß nicht gefallen, es muß wirken. Und nebenbei: wie definieren Sie denn "perfekte Unterhaltung".

Ist Bremer ein Fake-Blog, das die Kunden für dumm verkaufen will? Weder noch! Es ist kein Fake, wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß Bremer fiktiv ist. Wir erzählen die Geschichte anhand eines existierenden und sehr realen Modells, das die Hauptproblematik vieler unserer Kunden abbildet. Wir erzählen sie ehrlich und im Rahmen der Grenzen, die uns die eigenen Ziele vorgeben. Wir offerieren einen Lösungsweg und beschreiben ihn aus der Sicht unserer Kunden. Denn wir respektieren unsere Kunden. An dieser Stelle ist die "old school" immer noch sehr sehr aktuell.
Über die Texte kann man ebenso streiten wie über die Aufmachung der Blogsite. Wir haben uns für einen bestimmten Stil entschieden. Er muß nicht jedem gefallen. Aber er macht die Situation des IT-Leiters klar und die Person Bremer faßbarer.

Und die Gretchenfrage ist doch: Funktioniert die Kampagne? Das tut sie. Wir haben sehr starke und positive Resonanz, unsere Kunden identifizieren sich mit Bremer. Sie sprechen uns auf ihn an und sagen uns, daß er die Situation beschreibt, in der sie sich auf befinden. Wir haben extrem hohe Clickrates und Downloadwerte, und wir generieren neue Kundenkontakte mit der Site und den begleitenden Kampagnenelementen.
Und ob Sie es mir glauben oder nicht - die Kommentare sind echt, von Kunden und Interessenten. Wir täuschen keine Aktivitäten vor, denn die Kampagne funktioniert. Sie schreiben, "Dem Bremer Blog liegt eine didaktische Absicht zugrunde, die an gestandenen IT-lern vorbeigeht.". Mich würde schon interessieren, welche Fakten Sie zu dieser Einschätzung bewegt haben?

Wir werden Ihrer Bitte leider nicht entsprechen: Bremer's Blog wird nicht dichtgemacht. Wir werden die Site fortführen und weiterentwickeln. Ziel ist, eine offene fachliche Diskussion zu führen, zwischen Kunden, Interessenten und IBMern. Unterhaltsam, aber nicht perfekt, denn perfekt wäre in diesem Fall künstlich und dadurch wieder langweilig. Dafür im Sinne des Cluetrain Manifesto und um einen einfachen Zugang zum umfangreichen Angebot der IBM im komplexen Umfeld SOA zu schaffen.

Unser Blog ist dann erfolgreich, wenn es von der richtigen Zielgruppe gelesen wird und zur aktiven Diskussion anregt. Denn dann erfüllt es seinen Zweck, Informationen bereitzustellen. Wenn wir diesem Anspruch nicht mehr gerecht werden, wird Bremer nicht mehr gelesen. Unabhängig ob eine reale oder eine fiktive Person dahinter steht. Die Zielgruppe bestimmt, was sie als real, ehrlich und unterhaltsam empfindet.

Mit freundlichen Grüßen
Oliver Nickels
Marketing Manager SOA
IBM Deutschland GmbH

Bernd Röthlingshöfer

Hallo Herr Nickels. Freut mich dass Sie zu meiner Kritik hier Stellung beziehen. Und es freut mich, dass Sie offenbar die selbstgesteckten Ziele mit dem Bremer Blog erreichen. Aber: Weil Sie die Worte "real" und "ehrlich" bemühen und das Cluetrain Manifest zitieren, wundert es mich doch weiter, weshalb Sie keine reale Person, sondern einen fiktiven Charakter als Blogautor gewählt haben.
Im Cluetrain Manifest wird schließlich das Gespräch von echten Menschen propagiert: da sollten dann doch eher IBM Mitarbeiter mit ihren Kunden reden.
Hätten Sie nicht Lust, Ihre Erfolgsangaben zu quantifizieren? Immerhin fragen sich viele Unternehmen doch: Was bringt mir so ein Blog?

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