Apple Fans gegen Apple
Eichendorff über Blogger

Lügen & Legenden: Mundpropaganda und Netzwerkeffekte

Im Werbebusiness halten sich eine Menge Legenden, die einfach unwidersprochen zitiert und vervielfältigt werden:

"Geht man davon aus, dass jeder Mitarbeiter mit durchschnittlich 10 Freunden über seine Arbeit, Produkte oder Dienstleistungen spricht, und diese Freunde jene Inhalte wiederum an jeweils 10 Menschen weitergeben, erreicht ein Unternehmen wie BMW, das in Deutschland rund 80.000 Menschen beschäftigt, auf zweiter Kommunikationsebene ca. 8 Millionen Menschen – das sind knapp 10 Prozent der deutschen Bevölkerung!"

Davon sollte niemand ausgehen. Ich weiß nicht, wie diese Legende in die Welt kam. Jedenfalls gehen Mundpropaganda-und Viralmarketingberater gerne mit der Legende der 10 x 10 x 10 Vervielfachung hausieren. Hola! Das soll heißen, dass eine Botschaft von 100 % der Leute, die sie erfahren, weitergegeben wird.

Die Praxis sieht anders aus. Da ereilt viele Kampagnen der schnelle Tod bereits in der zweiten Generation. Von 10 Leuten denen man was erzählt, gibt das vielleicht einer weiter. Oder keiner.

Zitat von Florian Haller, Serviceplan in einem Gastbeitrag der Absatzwirtschaft

Kommentare

Markus Roder

Bernd -

Danke für das Aufräumen mit solch dämlichen Mythen. Als Viral-Marketing-Agentur müssen wir immer wieder gegen überzogene Erwartungen ankämpfen, die aus genau solch schäbiger "Mathematik" resultieren.

Ich sage immer, dass eien Kampagne dann bereits erfolgreich ist, wenn sie über ALLE Generationen einen Weiterverbreitungskoeffizienten von mehr als 1:4 hat. Einige wenige Kampagnen, die wir durchgeführt haben, hatten sogar 1:10 - aber das, wie gesagt, über ALLE GENERATIONEN ZUSAMMEN. 1:100, wie in dem oben genannten Beispiel, ist so gut wie nicht zu erreichen.. und wenn, dann nur mit geringster Seeding-Grösse und viel Glück.

Warum Unternehmen aber nicht dann schon zufrieden sind, wenn sie sich 75% Ihres Mediabudgets (im Falle 1:4) gespart haben, bleibt mir aber auch ein Rätsel...

Kai in Michigan

Der Erfolg von Mundpropaganda hängt in der Regel davon ab, ob das Produkt gut und interessant ist. Ist es das nicht, dann ist die Werbeagentur nicht zu beneiden.

Bernd Röthlingshöfer

@ Kai. In der Regel ja. Aber es geht auch anders. Man kann auch rund um das Produkt "bemerkenswerte" Elemente einbauen. Jede Aktivität eines Unternehmens kann bemerkenswert sein und damit Mundpropaganda auslösen. Sogar der Lieferschein, der Fuhrpark. die Organisationsstruktur usw.

Die Kommentare dieses Eintrags sind geschlossen.