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Google Maps Nutzung auch für Unternehmen erlaubt?

Im Google Maps Hilfeforum tummeln sich nicht nur die Google Maps Anwender. Sondern auch etliche Google Guides, die dann weiterhelfen, wenn Fragen nicht von anderen Forumsteilnehmern beantwortet werden können. Eine Frage lassen die Google Leute immer unbeantwortet:
Kann ich Google Maps als Unternehmer in meine Homepage einbinden, z.B. als Anfahrtsskizze?
Kann ich eine von mir erstelle Google Map z.B. um alle Filialen anzuzeigen in meine Homepage einbinden?

Müsste doch eine einfache Antwort darauf geben. Stattdessen schweigt Google, verweist auf die Bestimmung der Google Maps API, was dann zu dem Aussetzer führt: API was ist das denn?

Ein einfaches Ja oder Nein würde den Fragestellern genügen.


Ungewöhnliche Geschäftsidee: Der Sydney Harbour Bridge Walk

Der Bodenseepeter erzählt die Geschichte des Unternehmens Bridge Walk. Es ermöglicht schwindelfreien Touristen die Begehung der Sydney Harbour Bridge in luftiger Höhe, drahtseilgesichert. In Sydney offenbar die Attraktion Nummer 1 und ein Riesen-Geschäft:

"Paul Cave beschäftigt im Unternehmen Bridge Walk über 150 Personen, es haben mittlerweile über 2 Millionen Gäste daran teilgenommen, Paul hat damit etwa 350 Millionen Euro umgesetzt und verdient jährlich einen knapp zweistelligen Millionenbetrag."

Die Umsetzung seiner Idee hat 9 Jahre gedauert: erst dann (nämlich 1998) hatte er die Widerstände der Bürokraten und Bedenkenträger überwunden. Bereits im Jahre 1989 präsentierte er sein detailliert ausgearbeitetes Vorhaben dem Straßenbauamt der Stadt Sydney.

"Nach einigen Monaten bekam er die zehnseitige Antwort, in der 62 Gründe gelistet standen, weshalb ein BridgeClimb als touristische Attraktion völlig undenkbar sei.

Für jeden der 62 Punkte fand Paul eine Lösung, zum Teil erst nach aufwändigen Recherchen, Erfindungen und Gutachten von vielen Experten und Organisationen. Er präsentierte sein Ergebnis zwei Jahre später (so lange hatte er an der Antwort gearbeitet) der Stadt Sydney.

Natürlich bekam er Monate später erneut einen Brief von der Verwaltung, in dem neuerliche 20 Punkte gelistet standen, weshalb ein solches Vorhaben nicht möglich sei."


Über Amazon-Listenspam zum Bestseller?

Amazon Listenspam? Geht ganz einfach. Jeder Mensch kann eine Lieblingsbücherliste anlegen, diese Listen werden dann nach irgendeinem Prinzip bei Amazon angezeigt, z.B. in der rechten Spalte neben Suchergebnissen oder direkt unter dem ausgewählten Buchtitel.

Nachdem man bei Amazon seit einiger Zeit auch Diskussionsrunden zu Büchern eröffnen kann, kann man sich dort auch beschweren, wenn ein Buch offensichtlich durch Spam beworben wird. Und genau das tun Amazon Nutzer in der Diskussion zu dem Bestseller: "Nachts sind alle Katzen geil"

Ihr Vorwurf - unzählige Listen sind angelegt worden, nur um das Buch zu pushen. Verdachtsmoment: Die Mehrzahl der Leuten, die Listen angelegt haben und 5-Sterne-Kommentare schreiben, sind ansonsten nicht durch weitere Amazon-Aktivitäten aufgefallen. Ergebnis: Fünf Sterne hat das Buch, 31 enthusiastische Kommentare und einen Verkaufsrang unter den Top 20.

Das wundert einen doch: Denn das Buch ist grottenschlecht. Viele der dort geschilderten Phantasien sind von der Art, wie sie jedem Pubertierenden durch den Kopf gehen. Die erzählerischen Fähigkeiten hätten manchem der dort vertretenen Autoren wohl die Deutsch-Versetzung gefährdet. Die Anzahl der Orthograhie-Fehler auch.
Die einzige Perle im Buch: Sophie Andreskys Geschichte. Mein Beileid, Sophie zu diesem Umfeld.

Fällt schwer zu glauben, dass deutsche Buchkäufer bei einem derart schwachen Machwerk in die bei Amazon gezeigte Euphorie ausbrechen. Immerhin: Dank der Hinweise in den Diskussionsrunde kann sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.

Der Zorn der Amazon-Nutzer trifft aber nicht die Autoren. Sondern Amazon selbst. Wer sein Bewertungssystem nicht selbst zerstören will, muss dafür Sorge tragen, dass das Vertrauen in das Rezensionssystem erhalten bleibt.

Hier gehts zur Diskussionsrunde bei Amazon.


Das Buch zur Yello Strom-Kampagne: Jetzt kostenlos downloaden

"Im Kurzurlaub zur Jahrtausendwende habe ich es geschrieben, im Frühjahr 2000 ist es erschienen, von den Medien wurde es in den höchsten Tönen gelobt, zwei Jahre später war es ausverkauft, seit ein paar Monaten häufen sich auffällig die Anfragen, wo man mein Buch über Yello Strom noch kriegen könne, gestern habe ich mal bei Amazon geschaut, was es da kostet: bis zu 127 Euro, das sind satte 300 Prozent über dem ursprünglichen Neupreis. Jetzt stelle ich es mal eine Weile gratis ins Netz, mal schauen, was passiert."

Meint Bernd Kreutz zu seinem Buch "Also ich glaube, Strom ist gelb". Übersprungen hat er in diesem Zitat nur die Monate, in denen es für 3-5 Euro verramscht wurde. Da kaufte ich mein Exemplar in einer Berliner Buchhandlung.

Und auch jetzt gibt es Bernd Kreutz wieder auf dem Wühltisch, bei Amazon z.B. "The Art of Branding" für 3, 97 Euro.

Aber macht nichts. Das Buch gibt einen lustigen Einblick in Welt der Großkampagnenmacher. Also lesen.

Hier geht es zum Download.

Gefunden im Fontblog via Lockbuch


Erlebnisse eines Autors auf der Buchmesse

"Ich selbst bin eine kleine Wurst und fahre nun wieder nach Hause. Alle, von denen heute geredet wird, waren mal eine solche kleine Wurst. Jeder. Der Unterschied liegt eigentlich nur in der Zeitdauer, für die man es ist. Bei manchen geht es rasend schnell vorbei. Bei anderen dauert es sehr lange. Viele bleiben es für immer.

Was ich jetzt machen werde? Ich sage es Ihnen, es ist ganz einfach.

Weiter."

Wunderbare Schilderung von Andreas Kurz via Literatur-Café


Spammer knacken Wordpress

Vor wenigen Tagen ist der Werbeblogger aus dem Google Index geflogen. Mit anderen Worten: Die URL war in den Suchergebnissen nicht mehr auffindbar. Sowas ist auch berühmteren Vorgängern schon passiert - BMW beispielsweise.
Während es bei BMW aber selbstverschuldet war, weil diese mithilfe von Suchmaschinentricks die Ergebnisse manipulieren wollten, traf es den Werbeblogger völlig unverschuldet.
Hacker hatten sein Wordpress geknackt und darin Links auf andere Websites versteckt - die Werbung vor allem für erektionsfördernde Medikamente enthielten.
Unklar ist, ob auch andere Wordpress-Nutzer davon betroffen sind - immerhin handelt es sich um eine recht weit verbreitete Blogsoftware.
Unklar ist auch, wie man die Spamlinks am schnellsten und vollständig entdeckt. Eine Anleitung dazu gibt es noch nicht.
Ein erster Hinweis: Das eigene Blog auf Begriffe wie Viagra, Cialis etc. untersuchen. Den Quelltext ansehen und nach diesen Begriffen und verdächtigen Links Ausschau halten.

Ob Typepad auch davon betroffen ist?

Hinweise zum Vorgehen in den Kommentaren beim Werbeblogger.


10 Tipps für Weimar?

Ich freu mich schon drauf: Am 6.11.07 werde ich in der Universität Weimar einen Vortrag halten. Einen Abend und ein Vormittag lang werde ich dann noch Zeit haben, Weimar zu erkunden. Aber was soll ich mir ansehen?
Jetzt könnte ich natürlich googeln, flickrn oder qypen nach Sehenswürdigkeiten, schönen Plätzen, Cafe- und Restauranttipps. Aber ich kann doch auch fragen.

Was sind Eure Tipps für Weimar?


Sao Paulo ist werbefrei

Der Bürgermeister von Sao Paulo hat sämtliche Werbung aus dem Stadtbild verbannen lassen und Sao Paulo zur ersten werbefreien Großstadt der Welt gemacht. Wie das aussieht, sehen wir hier.

Hmm da fragt man sich glatt: Wollen wir das wirklich? Und andrerseits: Die deutsche Stadt, die das umsetzen würde, würde glatt Schlagzeilen machen.

Mehr dazu gibts auch im Deutschlandradio zu lesen


Für Anzeigenvertreter unglaublich: Edelwiser braucht keine Werbung

Vor kurzem berichtete ich begeistert über Edelwiser - ein Unternehmen dass das Old School-Marketing über Bord geworfen und bereits Marketeasing-Prinzipien verinnerlicht hat und anwendet - ohne das Buch je gelesen zu haben. Kaum dass das Unternehmen den Staatspreis bekommen hat, wird es von den klassischen Werbern verfolgt, schrieb mir Nicola Werdenigg Edelwiser-Mitgründerin und Gesellschafterin:

"lustig im zusammenhang mit dem staatspreis sind die gehäuften anrufe und mails von anzeigenkeilern, die es nicht fassen können, dass wir noch keinen cent für herkömmliche werbung ausgegeben haben und auch nicht vorhaben das jemals zu tun.

unser vorgehen entspringt dem bauch und nun weiss ich auch wieso, nachdem ich die ersten seiten ihres buchs (ist schon bestellt) gelesen habe - werbung nervt!"


Das Selma-Projekt: Interview mit dem Initiator und Komponisten David Klein

Davidklein_4 David wie entstand die Idee, die Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger zu vertonen?

Aus Liebe! Ich war zu der Zeit in eine junge Frau verliebt, von der ich wusste, dass sie Lyrik mag. Eine ihrer Lieblingsschriftstellerinnen war Hilde Domin, welche sich ja auf dem Umschlag von „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“ begeistert über Selmas Gedichte äußert. Ich habe also meiner Angebeteten das Buch geschenkt, allerdings ungelesen! Wir sind dann auch tatsächlich zusammengekommen und ich habe ihr irgendwann während eines Telefongesprächs gestanden, dass ich das Buch gar nicht gelesen hatte. Sie fand das ziemlich witzig und las mir dann am Telefon das Gedicht „Ich bin die Nacht“ vor. Da fiel es mir wie Schuppen von den Ohren: Songtext! Ich habe also angefangen, mich mit Selmas Gedichten zu befassen und Musik dazu zu schreiben.

In mir ist etwas entstanden, ohne dass ich viel darüber nachgedacht hatte. Ein überwältigendes Bedürfnis, die Gedichte dieses jungen, hochtalentierten Mädchens zu vertonen, das auf einem der wenigen erhalten gebliebenen Fotos strahlend einem Leben entgegenlacht, dass eigentlich schon vorbei war. Ich bin Jude und der zweite Weltkrieg und der Holocaust haben seit ich denken kann eine eigenartige Faszination auf mich ausgeübt. Erst als ich im Nachlass meines kürzlich verstorbenen Vaters einen Brief entdeckte, begann ich zu ahnen, warum das sein könnte. Es war der letzte Brief meiner Urgrossmutter mütterlicherseits aus dem KZ Theresienstadt, kurz bevor sie umgebracht wurde. Die Eltern meines Großvaters haben sich, nachdem sie erfuhren, dass sie nach Auschwitz deportiert werden sollen, umgebracht. Mein Vater hatte darüber nie gesprochen. Er lebte übrigens die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in Deutschland und fühlte sich da sehr wohl. In einem Interview sagte er (er war auch Musiker): „Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechte Gewalt, das ist die Fratze Deutschlands, ihr Gesicht jedoch, ist die Toleranz.“

Das erste Gedicht, das ich vertont hatte, war „Trauer“. Ich habe mich hingesetzt und die Melodien kamen wie von selbst, nach ein paar Stunden war das Stück fertig. Die ganze Zeit hatte ich beim Schreiben der Musik die Stimme von Herbert Grönemeyer im Ohr, obwohl ich jetzt nicht der große Grönemeyer Fan bin. Ich besitze auch keine CD von ihm. Aber immer wenn ich ihn irgendwo am Radio gehört habe, hörte ich in seiner Stimme diese ganz bestimmte aufrichtige Dringlichkeit, die ich für „Trauer“ brauchte.

Zu der Zeit hatte man lange nichts von ihm gehört, also dachte ich mir: dann ruf ich doch einfach den Herbert Grönemeyer mal an. Meine Freunde haben mich belächelt. Ja ja, der Grönemeyer, der wird jetzt deine Musik singen, träum ruhig weiter. Grönemeyer habe ich anfangs nicht selbst gesprochen. Wie sich herausstellte, war er damals zu den Aufnahmen für sein Album „Mensch“ in London. Ich habe sein Management kontaktiert und eine Absage erhalten. Zwei Stunden nach der Absage klingelt das Telefon erneut. Herbert Grönemeyer wollte nun doch mitmachen! Er hatte in einer Aufnahmepause im Studio meine CD entdeckt, die ich ihm schickte, hatte reingehört und war total begeistert.

Aber Herbert Grönemeyer ist jetzt gar nicht dabei. Und das Gedicht „Trauer“ auch nicht.

Grönemeyer hatte ich ja nicht für „Selma-In Sehnsucht eingehüllt“ angefragt, sondern für unsere CD „The World Quintet“, die 2002 erschien und da ist „Trauer“ auch drauf. Wir hatten einen ganz einfachen und unkomplizierten Deal. Grönemeyer sagte: „Ich singe das Lied auf eurer CD und ihr macht die Musik für ein Stück auf ‚Mensch’“ – Da ich mit meiner Band Klezmer-Musik machte und für die Grönemeyer CD eine Klezmer-Polka vorgesehen war, hätte das prima im Tausch funktioniert. Aber zu guter Letzt kam das Klezmer-Stück nicht mit auf die CD „Mensch“, „Trauer“ jedoch auf unsere CD „The World Quintet“. „Trauer“ war so gesehen eigentlich der Grundstein für „Selma-In Sehnsucht eingehüllt“. Als ich Herbert im Zuge der Vorbereitungen zu „Selma“ fragte, ob ich „Trauer“ mit auf die CD nehmen dürfe, sagte er jedoch kategorisch nein. Warum, muss man ihn selbst fragen.

Hm, das finde ich so typisch. Parallelen dazu gibt es auch bei Businessprojekten – die scheinen am Anfang wie von selbst zu einem „big deal“ zu werden, sie lösen eine Anfangseuphorie aus. Und dann kommt alles anders als man denkt.

Als ersten Interpreten für „Selma“ rief ich Reinhard Mey an. Du musst wissen, dass ich während wir hier telefonieren umgeben bin von Reinhard Mey Platten. Er war der Held meiner Kindheit und Jugend. Damals habe ich ihn regelrecht imitiert, bin sogar in seinem Kleiderstil herumgelaufen. Tja, und dieser Held hat mir sofort zurückgemailt – er mache mit. Als wir dann nach Berlin zu den Aufnahmen flogen, wollte er uns sogar vom Flughafen abholen. Und in dem Stil ging es dann weiter. Die Interpreten auf der CD waren alle mit großer Begeisterung dabei und erschienen total vorbereitet im Studio. Sie alle verzichteten bei diesem Projekt übrigens auf sämtliche Tantiemen. Auch die Aufnahmestudios machten uns Sonderpreise, die Symphoniker ebenso – alle sind uns bei dem Projekt finanziell entgegengekommen, anders wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Das Problem war: die meisten der Leute hatten nur wenig Zeit – wenn sie Zeit hatten, mussten wir zur Stelle sein. Ute Lemper zum Beispiel sind wir nach New York nachgereist und haben dort in einem Studio die Aufnahmen gemacht.

Als ich die lange Liste der prominenten Musiker gesehen habe, dachte ich: Klar, die sind alle bei der Plattenfirma und brauchen vor dem Weihnachtsgeschäft noch ein Benefizprojekt.

Von wegen. Die sind alle bei unterschiedlichen Labels. Das Ganze ist ein David Klein Projekt. Von mir initiiert, von mir finanziert.

Selbst wenn die Musiker auf Gagen und Tantiemen verzichtet haben – die Reisekosten waren sicher auch nicht ohne?

Einige haben eine Gage verlangt, andere haben es gratis gemacht, oder ihre Gage gespendet. Die ganze CD hat mich an die 200.000 Euro gekostet. Aber ich habe da nicht so viel nachgedacht – ich wollte es einfach machen.

Hattest du das Geld auf der hohen Kante oder woher kam das<?

Ich hatte damals eine Firma mit zwei Freunden und wir haben viel eigenes Geld investiert, aber auch von Stiftungen, Gönnern etc. Geld bekommen. 

Wie viele CDs hast du denn bisher verkauft? Sind die Kosten wieder reingespielt worden?

Zuerst haben wir die CD im Eigenverlag veröffentlicht, mittlerweile hat SONY BMG die Produktion lizenziert. Bisher haben wir ca. 20.000 Stück verkauft.

Bei einem Stückpreis von 17,95 € heißt das, Du bist noch weit davon entfernt, die Kosten reinzuholen. 20.000 verkaufte CDs sind auch keine so hohe Stückzahl. Wie erklärst du dir das?

Ich bekomme pro CD ja nur einen Bruchteil der 17,95. Die Kosten werde ich wohl nie mehr einspielen, aber darum geht es mir auch nicht. Ich bin von einigen Deutschen Medien wahnsinnig enttäuscht. Egal, ob Kerner, Jauch, Beckmann – alle haben abgewinkt. Das Thema war ihnen allen zu „schwer“ oder zu unwichtig. Dafür aber Eva Herman ohne Ende! Es war ihnen wohl nicht sexy genug. Auch gewisse Printmedien fassen das Thema nur mit spitzen Fingern an. So haben z.B. weder die Süddeutsche noch die FAZ auch nur ein einziges Wort über „Selma“ geschrieben. Die hatten einen totalen Dünkel gegenüber einigen der Interpreten. Von einem Journalisten der FAZ bekam ich zu hören: „Eine CD, auf der Xavier Naidoo singt, rezensiere ich aus Prinzip nicht.“ Die BILD am SONNTAG hingegen brachte kürzlich eine ganze Seite, und auch online werden wir von BILD sehr unterstützt. Da siehste mal. Im Radio haben wir sowieso schlechte Chancen – denn heutzutage gibt es, abgesehen von einigen wenigen engagierten Sendungen, nur noch Formatradio – und das Formatradio hat guter Musik den Untergang bereitet. Formatradio heißt: Alle Stücke, die dort gespielt werden, müssen einer gewissen gängigen Melodik, Rhythmik und Harmonik entsprechen und sie dürfen maximal 4 Minuten lang sein.

Übertragen auf eine Kunstgalerie würde das heißen, dass nur noch Werke von 10 auf 10 cm Durchmesser und in rot ausgestellt würden oder dass in den Literaturmagazinen und- Sendungen nur noch Bücher beworben werden, die nicht mehr als 50 Seiten haben. Nicht auszudenken, was wir an Kunst und Literatur alles verpassen würden. Wenn beispielsweise die Doors mit ihren 15-minütigen Songs, Jimi Hendrix, Frank Zappa oder Janis Joplin heute auf der Musikszene erscheinen würden und versuchten, über das Radio bekannt zu werden, sie hätten keine Chance.

Wie sollen sich Jugendliche musikalisch weiterentwickeln, wenn sie am Radio und TV immer den gleichen profitorientierten Einheitsbrei serviert bekommen? Das ist wie wenn man einem Neugeborenen nur Fast Food und Süßigkeiten zu essen gibt. Viel Glück beim Versuch, ihm später beizubringen, auch Gemüse und Früchte zu essen! Populärmusik ist ja leider längst keine Kunstform mehr, sondern eine Ware, die nach pervertierten Kriterien an das Publikum verschachert wird.

Das größte Verbrechen an der Jugend sind allerdings die Castingshows. Diese Castingshows sind für mich die Pornos der Musikbranche. Jugendliche verwechseln das, was da läuft mit Musik, so wie sie aufgrund der Internetpornowelle anfangen, Porno mit Sex oder gar mit Liebe zu verwechseln. Mal ganz abgesehen davon, dass „DSDS“ - eine Sendung mit vorwiegend jugendlichem Zielpublikum - von CAB (Cola and Beer) gesponsert ist, und in jeder Werbepause Alkohol beworben wird. Und das trotz der fast unlösbaren Probleme mit Jugend-Alkoholismus!

Deshalb finde ich es wichtig, dass es zu der Selma CD auch das Schulprojekt „Sehnsucht nach Zukunft“ gibt (veranstaltet von Step 21), bei dem sich Jugendliche mit der Musik, den Gedichten und der Zeitgeschichte beschäftigen. Es ist ein Weg, sich ohne schlechtes Gewissen mit dieser Zeit auseinanderzusetzen – einfach, indem man gute Texte und gute Musik hört, die sich mit der Gefühlswelt der Jugendlichen auseinandersetzen. Sie entdecken – Mensch, da gab es vor über 60 Jahren ein 15-jähriges Mädchen, das hatte die gleichen Empfindungen wie ich. Und jetzt singen meine Idole ihre Texte! So befassen sie sich auch mit Selmas Schicksal. Ich finde es einen sehr tröstlichen Gedanken, dass die Nazis, die Selma umgebracht haben, inzwischen unter der Erde und vergessen sind. Aber die Gedichte eines kleinen Mädchens haben sie nicht in die Knie gezwungen, sie haben überlebt. Die Liebe hat über das Böse gesiegt!


Die Karte wächst

Eben habe ich wieder zwei neue Adressen in die Google Map "Wer macht eigentlich...Werbung für kleine Budgets?" eingetragen.
Dabei habe ich festgestellt dass die Karte schon 12.622 mal angeklickt wurde. Klasse! Ich mag Werbung, die sich von selbst verbreitet.
Viel schöner fände ich es übrigens, wenn ich den eingetragenen Unternehmen die Möglichkeit geben könnte ihren Eintrag selber auszugestalten .. mit Fotos, Videos etc. Dazu müsste man Einladungen versenden können mit Berechtigungen, am eigenen Eintrag - und nur an dem - herumzubasteln.
Geht aber wohl nicht.


Selma-Projekt: Heute gehts los

Stefanie Kloß von Silbermond eröffnet bei Robert Basic die Blogtournee zur Vorstellung der Selma CD. Wer es noch nicht irgendwo erfahren hat - die CD ist die musikalische Umsetzung der Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, eines jüdischen Mädchens, das mehrere Jahre in einem Nazi-Arbeitslager interniert war und schließlich dort verstarb.
David Klein, ein Schweizer Musiker, hat das Projekt initiiert und die Gedichte vertont. Morgen wird er in einem Interview bei mir das Projekt vorstellen. Zum Glück habe ich mit ihm ein langes Telefonat führen können. Da ging es nicht nur um das Projekt selbst, sondern auch das was man erleben kann, wenn man in der heutigen Medienlandschaft ein solches Projekt pushen möchte.

Kleine Anmerkung vorab: Komisch, dass (manche) Faz-Redakteure immer durch ihre Mischung aus Dünkel und Borniertheit auffallen müssen.

Der Song von Stefanie Kloß zum Anhören.

Projektvorstellung auf YouTube:


Sprachen lernen im Linienbus

Wer in Vilnius die Buslinien 2 und 19 besteigt, kann während der kurzen Busfahrt Sprachen lernen. In 2- Minuten-Blocks werden Redewendungen z.B. in Englisch oder Polnisch geübt. Welch brachliegendes Potential für manche kommunalen deutschen Verkehrsbetriebe.
Die kamen ja bislang höchstens mal auf die Idee auf Monitoren Werbung einzuspielen. Aber ein Lern-, Unterhaltungs- oder Kulturprogramm? Wie wäre es mit der Lyriklinie 1, der Business-Englisch-Linie 9 oder Sonderfahrten "Lokale Bands"? Wie wäre es mit Last-Minute-Rezeptideen zur Feierabendzeit? Gesponsert von Metzgerei xy?

In Vilnius kommen die Spachkurse von der dortigen Volkshochschule. VHS und Verkehrsbetriebe gehören ja meist der öffentlichen Hand - ein leichtes die beiden zu sinnvollen Kooperationen zu verdonnern. Das wäre doch ein Anfang.

Quelle: Trendletter


Der 8 Minuten Lunch

Eine witzige Wette bietet das Viva Paradise Island Restaurant und Hotel seinen Gästen an. Jeden Mittag gibt es 3 Gerichte zur Auswahl à 8 Euro. Die Wette dazu:

"Bei Ihrer Bestellung erhalten Sie eine Eieruhr, die auf 8 Minuten eingestellt wird. Kommt das Essen vorher, genießen Sie es, zahlen 8 Euro und gehen satt und zufrieden weiter in Ihren Tag. Kommt das Essen nach dem Bimmeln, müssen Sie es nicht bezahlen."

Sowas gab es bei McDonalds zwar auch mal, aber bei Viva läuft es perfekter ab. Von wegen Eieruhr - das ist ein elektronischer Timer, der laut und unüberhörbar piept, wenn der Gast gewonnen hat!


Vorankündigung: Das Selma-Projekt in diesem Blog

Am kommenden Dienstag, den 23.10. werde ich hier im Blog das Selma-Projekt vorstellen. Ich bin nicht der einzige, der sich dem Thema widmet. Wie man sehen kann, gibt es eine regelrechte Blogtournee:

Selma_blogtour

Wer mehr über das Projekt wissen will, kann heute schon mal  auf der Website Selma.tv vorbeisehen.  Nur soviel bereits jetzt vorab: Selma Meerbaum-Eisinger war ein jüdisches Mädchen, das im KZ gestorben ist und ein kleines Werk von Gedichten hinterlassen hat. In den achtzigern Jahren erinnerte man sich an diese Gedichte wieder - eine Stern-Serie hat die so genannten "Verbrannten Dichter" vorgestellt, die von den Nazis verfolgt und verboten wurden, darunter auch Selma.
Und dann wurde es wieder ganz still um ihr Werk.
Bis der Musiker David Klein die Idee hatte, diese Gedicht mit bekannten deutschen Interpreten zu vertonen. Wie es dazu kam, auf welche Schwierigkeiten er stieß und wie so ein Projekt im heutigen Musik- und Medienbusiness ankommt, hat er mir in einem spannenden Telefongespräch verraten. Dazu mehr am 23.10.07.


Bezahlen Sie doch einfach was Sie wollen: Für das neue Radiohead-Album

Radioheadwebsite

Von dieser Art der Preisgestaltung habe ich ja schon berichtet. So gibt es die Weinereien, die den Gästen ein Glas für 1 Euro zur Miete aushändigen, danach können sie trinken, soviel sie wollen und bezahlen, was sie für richtig halten.

Jetzt ist die Idee in der Musikbranche angekommen - die britische Band Radiohead stellt ihr neues Album "In Rainbows" zum Download zur Verfügung. Und die Downloader entscheiden selbst was sie dafür zahlen möchten.
Obs funktioniert? Sicher. Denn so revolutionär ist es gar nicht, wie Tobias richtig erwähnt. Die Einnahmen aus Albumverkäufen sind oft ein verschwindend geringer Teil gegenüber Lizenzen, Tourneen , Merchandising etc.
Und so ganz kostenlos ist es auch nicht - schließlich muss man sich registrieren und Namen, E-Mail, Adresse, Handy-Nr. angeben. Und Adresshandel ist auch eine Einnahmequelle.


Martin guckt zum ersten Mal TV

Martin Oetting offensichtlich von Geburt an TV-Abstinenzler, schildert die Eindrücke vom ersten Mal:

"Es ist kaum auszuhalten, was einem da geboten wird. Eine dermaßene Parade an lächerlich-dilettantischer Albernheit, die man auf mehr oder minder jedem Kanal gezeigt bekommt, ist einem normal denkenden Menschen kaum zuzumuten.
Und wenn es gelingt, vielleicht mal einen liebevoll gemachten Film zu erwischen, dann springt einen aus heiterem Himmel die Werbung an, die in ihrer aufgedrehten Langeweile so gnadenlos erscheint, als wolle sie bewusst Hirnschmerzen erzeugen.
Die Nachrichten sind okay, aber völlig platt und substanzlos, wenn man das geschriebene Wort gewöhnt ist.
Jede Form von Show, bei der entweder Normalmenschen oder A-, B-, C-, D-Promis zu irgendwelchen völlig irrelevanten Aspekten ihres mitleidinspirierenden Privatlebens interviewt werden, lehne ich aus mangelnder Bereitschaft, mich intellektuell dauerbeleidigen zu lassen, rundheraus ab.
Wie soll denn in solch einem Umfeld substanzieller Kommunikationsleistung für Marken geleistet werden, auch klassische TV-Werbung genannt? Das ist doch Hohn, ist das doch..."

Treffend! Nur dass ich die Nachrichten nicht als okay empfinde, sondern ihre Art die Realität zu verzerren noch gefährlicher ist als der Rest.


Edelwiser: Marketeasing pur wird ausgezeichnet

Eben hat der Skihersteller Edelwiser den Österreichischen Staatspreis für Multimedia erhalten. Die Leute von der Jury drücken sich zwar ein bisschen seltsam aus, aber recht haben sie:

"Einfache Bedienung, ein State-of-the-Art Produktkonfigurator, Produktion-on-demand, rasche Lieferung und ein intelligentes Community-Konzept, das Käufer zu Markenbotschaftern macht und Mundpropaganda aktiv belohnt, machen die Lösung zu einer Killer-Applikation auf Weltmarktniveau", argumentiert die Jury ihre Wahl von "edelwiser". "Wir haben 2007 einen Staatspreisträger, der als best practice für die Branche zukunftsweisend ist", sagte Peter A. Bruck, Staatspreisbeauftragter des BMWA für Multimedia & e-Business.

Mit anderen Worten - man kann Ski selbst designen und als Mitglied des Designer-Networks Geld verdienen. Man kann Markenbotschafter (Ambassador) werden und mit Empfehlungen Geld verdienen. Man bekommt über eine ID-Nummer Zugang zur Edelwiser-Community usw.
Edelwiser ist meines Wissens das erste österreichische Unternehmen, das durchgehend nach Marketeasing-Prinzipien konzipiert ist. Klasse!

Zitate aus "Der Standard"