Hilfe, ich bin lyonisiert worden, Teil 1
Achtung Berlin: Bitte schnell vor dem Laden aufräumen

Hilfe, ich bin lyonisiert worden, Teil 2: Wie die Blogger-Aktion ablief

Hier nun Teil 2 meiner Ausführungen zur Aktion der Mercure/Accor Hotels: Diesmal geht es darum, wie die Aktion ablief.

1. Auswahl/Bloggereinladung
Mitte Mai erhielt ich eine E-Mail von Jocelyne Messas von der Werbeagentur DIGITAS mit der Nachricht, dass ausgewählte Blogger aus Europa in Hotels eingeladen werden sollen. Sie werden eingeladen, 2 Tage mit einer Begleitperson in einem der 5 für die Klassifizierung als MGallery Hotel vorgesehen Häuser zur verbringen. Beigefügt war eine Präsentation der Hotels, eine Erläuterung der Aktion, sowie der erwarteten Gegenleistung (Erstellung eines digitalen Reiseberichts sog. Scrapbooks). Außerdem sollte man die folgenden Fragen zu beantworten.

  • Name
  • Alter
  • Beruf
  • Adresse
  • Blogadresse
  • Besucherzahl pro Tag
  • Publikum/Leser des Blogs
  • Interessensgebiete
  • Wunschhotel
  • Wunsch- Abreisedatum

Ich sandte die Infos am gleichen Tag zurück. Ein paar Tage später dann telefonierten wir – anstelle der von mir gewünschten Hotels in Paris oder Lyon, sollte ich doch lieber in die Schweiz reisen. Keine Lust: Die Schweiz kenne ich – der Neugier- und Überraschungseffekt wäre wohl viel zu klein gewesen. Dann lieber zuhause bleiben.

Wieder ein bis zwei Wochen später dann die Info: Lyon klappt. Super!

2. Zusatzangebote
Einen Tag nach der Zusage folgten dann weitere Goodies:

Reisekosten-Übernahme
Die Reisekosten werden übernommen, ich kann mir meine Reise auch über das Hotel buchen lassen. Na ja, schön und gut – aber Lyon per Zug oder Flug? Das bedeutet locker 2 bis 3 Stunden mehr Reisezeit als mit dem eigenen PKW. Also dankend abgelehnt.

Taschengeld
Wir erhalten bei der Ankunft 500 Euro als Taschengeld, damit wir alles besichtigen und machen können, worauf wir Lust haben. Das war ne echte Überraschung – meiner Meinung nach an der richtigen Stelle platziert. Hätte man dies gleich zu Anfang verkündet, hätten sich eine Unmenge an Leuten mehr für die Aktion beworben – möglicherweise ohne die passende Motivation Lyon kennen zu lernen, sondern mehr vom Wunsch getragen, das Geld einzustecken.

Wenige Tage vor Abreise dann die neue Nachricht: Bitte die Kontonummer durchgeben. Das Geld wird nicht persönlich übergeben, sondern aufs Konto überwiesen. Na gut.

3. Der Empfang & die Betreuung vor Ort
Gespannt waren wir, wie der Empfang im Hotel ausfallen würde. Um’s gleich zu sagen: Wir checkten ein wie jeder andere Gast auch – spezielle Infos zur Begrüßung gab es keine. Zumindest auf dem Zimmer hätte ich ein kleines Info-Package erwartet – Stadtplan, Buch, Audioguide – was auch immer, es gab nichts davon. Unklar war, ob wir jemand von der betreuenden Agentur treffen würden. Auch das Fehlanzeige. Wir hatten während des ganzen Aufenthalts keinen Kontakt zu ihnen, wurden nicht von der Direktion empfangen und auch ansonsten gab es keine Anstalten, uns bei unserer Recherchemission zu unterstützen.
Ach und noch was: Bei der Frage wie man ans – natürlich kostenpflichtige – WLAN kommen könne, waren die Hotelangestellten an der Rezeption zunächst so hilflos wie viele Hoteliers. Immerhin klappte es nach einem Telefonat mit der für das Hotel zuständigen Telekommunikationsgesellschaft Orange endlich.
Mit 9,95 EUR pro 24 Stunden war der Zugang zum WLAN zwar erschwinglich, aber wenn man schon Blogger einlädt, hätte man ihnen dieses kostenlos und ungefragt einräumen sollen.

4. Die Gegenleistung
Was die Gegenleistung der Blogger angeht, wir sollten – wie gesagt - Material zur Erstellung eines Reisetagebuchs liefern. Das war inzwischen präzisiert worden. Gewünschte Scrapbook-Elemente:

•    Das Flug- oder Zugticket
•    6 Fotos von der Stadt, vom Hotel oder auch von uns
•    3 Eintrittskarten von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten
•    2 Speisekarten von Restaurants
•    Beschreibung der Reiseeindrücke
•    andere Elemente, die interessant sein könnten

Fazit:
Die persönliche Art der Bloggeransprache – gut.
Die Art des Auswahlverfahrens – kann ich nicht kommentieren.
Die Vergütung für die Erstellung des Scrapbooks in Form von 2 kostenlosen Übernachtungen, Taschengeld und Bezahlung der Anreise: angemessen - großzügig.
Das Taschengeld - eine geschickt platzierte Überraschung.
Die persönliche Betreuung oder Ansprache - verbesserungswürdig.
Das administrative Follow-up – ebenfalls verbesserungswürdig.

Insgesamt wurden 7 Blogger aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien eingeladen. Bis auf Gregory Pouy und mich hat niemand über die Aktion gebloggt. Das sind sie:

Frankreich
http://blog.missblablabla.com/
http://aziz.typepad.com/
http://gregorypouy.blogs.com/
Hier sein Blogposting zur Aktion.
http://gregorypouy.blogs.com/marketing/2008/06/retour-sur-un-p.html

Großbritannien
www.travelerslunchbox.com
http://www.spittoon.biz

Deutschland
http://berndroethlingshoefer.typepad.com
http://www.ognibeni.de

Heute, am Sonntag den 13.07.08 hab ich das Scrapbook-Material in einen Briefumschlag gepackt und werde es versenden.
Was bis heute nicht passiert ist: Die 500 Euro Taschengeld sind bislang nicht auf dem Konto eingegangen. Die Reisekosten und Spesen für Restaurantbesuche und Eintrittsgelder lagen etwa in der gleiche Höhe und habe ich bislang selbst bezahlt.

Kommentare

cdv!

Hallo, Bernd. Ehrlich gesagt finde ich es gar nicht schlecht, dass man Euch in Lyon nicht "betreut" hat. Wäre vielleicht hilfreich gewesen, aber dann besser? Wohl kaum. Dein Bericht war lesenswert, macht Lust auf Lyon (ich erinnere mich dunkel), und die Art und Weise, mit dieser Aktion umzugehen, ist wahrlich bemerkenswert. Hast Du noch andere solcher Beispiele erfahren?

Nicole

Beim WLAN kann ich nur das Radisson hervorheben: Zugang supereasy (und selbst die Rezeptionsdame wusste Bescheid) und kostenlos :-)

Bernd Röthlingshöfer

@Christian. Lyon? Unbedingt hinfahren! Allerdings sollte man nicht unbedingt Vegetarier oder Cholesterinknauser sein. Andere dieser Aktionen hab ich leider nicht persönlich "erfahren".

Florian Mayr

was für ein unglaublicher (administrativer & finanzieller), damit ein paar Zeilen im Web stehen. Schade eigentlich, denn einen Oldschool-Kunden wie eine Hotelgruppe davon zu überzeugen, dass TV Spendings nicht immer das Mittel der Wahl sind, gelingt auch nicht oft

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