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Hilfe, ich bin lyonisiert worden, Teil 2: Wie die Blogger-Aktion ablief

Hilfe, ich bin lyonisiert worden, Teil 1

Das ist Teil 1 meines Berichts zur Blogger-Einladung der Mercure (Accor) Hotelgruppe in das Hotel Royal in Lyon. Hier geht es um Lyon und meine persönlichen Reiseeindrücke. Teil 2 (morgen) beschäftigt sich dann mit dem Aspekt der Marketingaktion „Blogger-Einladung“

Lyon, die unterschätzte Großstadt

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Wie die meisten kenne ich Lyon nur vom Vorbeifahren, wenn’s Richtung Süden, Provence gehen soll. Allerdings habe ich über die Stadt schon einiges gehört – sie soll sowas wie die Hauptstadt der Gastronomie sein mit Unmengen von Restaurants, einer angeblich hervorragenden Küche. Nun ja, schließlich werkelt in Lyon auch der bekannteste französische Koch der Welt Paul Bocuse. Lyon soll eine wunderschöne Altstadt haben (Unesco Weltkulturerbe) und im 2. Weltkrieg auch die Hauptstadt des Widerstands gegen die deutschen Besatzer gewesen sein. Soweit zu dem bisschen Allgemeinwissen. Am meisten getrieben hat mich sicherlich der Wunsch, mal wieder in französischer Küche zu schwelgen. Und zwar so richtig.

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Lyon und die Küche.

Wer bei französischer Küche an leichte Speisen, Schäumchen und Miniportionen denkt, liegt da komplett daneben. Die wirklich französische Küche ist meist noch ein bisschen deftiger rund fetter als die deutsche. Und die Küche von Lyon ist deftige Hausmannskost. Auf dem Speiseplan stehen zum Beispiel alle Arten von Innereien, Kutteln, Blutwürste.

Und so heißen die Gerichte:
•    Quenelle de brochet – Hechtklösschen (oft auch als Beilage serviert)
•    Croustille de Boudin noir aux pommes – Knusprig überbackene, warme Blutwurst mit karamellisierten Äpfeln
•    Tripes Lyonnaises – Kutteln in Tomatensoße
•    Gateau de foie de Volaille – Geflügelleberkuchen , könnte man eher als eine Art warmes Pastetentörtchen bezeichnen
•    Andouilette Lyonnaise – Wurst aus Innereien/Kutteln (warm als Hauptgericht)
•    Oeufs en meurette – Pochiertes Ei in Rotweinsoße

Gegessen werden die Gerichte – die in Deutschland nahezu vollständig von den Speisekarten verschwunden sind – sozusagen an jeder Ecke. Genauer in einem der typischen Bouchons (deutsch: „Weinkorken“). Das sind urige, kleine Gaststätten, in denen die Tische so eng stehen, dass man unweigerlich mit den Nachbarn ins Gespräch kommt.

Die Altstadt von Lyon ist voll von Bouchons. Alle behaupten, die einzig wahren, echten und unverfälschten zu sein – aber die meisten haben sich auf Touristenjagd gemacht. Ruhiger, typischer und fast ohne Touristen geht es zu im Viertel um den Place Bellecour und rund ums Museum der Schönen Künste (Viertel Croix Rouge). In den Bouchons schwingen nicht die Chefs, sondern die Mères – also die Mütter – den Kochlöffel. Was natürlich auch Legende ist – denn die meisten haben heute angestellte Köche am Herd stehen.

Wir haben gegessen bei Isabelle Comerro und Laura Vildie, die das Bouchon des Filles, also das Bouchon der Töchter eröffnet haben. Sie haben beide mal im Cafe des Federations – auch eine empfehlenswerte Adresse, aber stets vorher reservieren! – gearbeitet.

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Sie kochen die traditionellen Gerichte, aber mit einem Schuss Kreativität und modernen Aromen. Als wir da waren – typisch Deutsch schon um 19.00 Uhr – erhielten wir leicht einen Platz. Später füllte sich dann das Bouchon, auch kurz vor 22.00 Uhr kamen noch Gäste. Gewählt wird im Bouchon des Filles nur das Hauptgericht und die Nachspeise – alles andere, was auf den Tisch kommt, ist der Küchenplanung des Kochs überlassen. So türmen sich nach einem Appetizer dann gleich verschiedene Vorspeiseschälchen (z. B. Lachsrilette, Grüner Linsen-Salat, Salat mit gebackenem Schinken, Rote-Beete-Salat mit Schweinskopf) auf dem Tisch. Danach ist man schon fast satt. Nach der Hauptspeise kann man dann nicht mehr. Aber es kommt noch ein winziger Zwischengang, der den Magen lebendig hält für den darauf folgenden Käse und das Dessert.

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Inklusive Wein, Wasser und Kaffee zahlt man zu zweit für den mehrstündigen Ritt durch die kulinarischen Köstlichkeiten 60 Euro. Das sollen deutsche Gastronomen mal nachmachen.

Typisch für die Bouchons ist auch der Pot – eine Weinkaraffe, die 375 ml enthält. Sieht zwar viel größer aus, aber wegen des extra dicken Glasbodens ist einfach nicht mehr drin.

Adressen

  • Le Bouchon des Filles – unbedingt hingehen!
  • Leon de Lyon – eine Institution, leichtere Küche, hervorragendes Essen, mittags viele Geschäftsleute, etwas gehobenere Preise, super!
  • Le Laurencin – empfehlenswertes Bouchon in der Altstadt

Vieux Lyon und die Traboules
Als Altstadt von Lyon bezeichnet man das Viertel unterhalb des Hügels Fourvière, den man übrigens auch besichtigen sollte. Hoch geht es mit einer Standseilbahn, oben eine zweistöckige Kathedrale Note-Dame de Fourvière mit einer Aussichtsplattform auf die Stadt, und einer riesigen vergoldeten Marienstatue auf dem Vorplatz. Hinunter ein schöner Spaziergang durch die Rosen- oder Hortensiengärten des Parks.

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Vieux Lyon ist ein Gewirr von engen Gassen aus Häusern, die aus dem Mittelalter und der Renaissance stammen, einige prachtvoll renoviert, die meisten sehr gut erhalten, aber noch nicht kaputt saniert. Während einige Gassen sich zu den Laufstraßen der Touristen entwickelt haben, ist es in anderen ruhig wie auf dem Dorf.

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Vergesst bloß nicht in die Traboules zu gehen! Traboules sind enge Gassen, manchmal mit Kreuzgewölben, die dann Zugang zu Innenhöfen oder zu den in der zweiten Reihe liegenden Häuser gewähren. Ursprünglich sollen sie dazu gedient haben, dass die Stoffproduzenten in der Altstadt ihre Ware über größere Entfernungen immer im Trockenen transportieren konnten. Diese Traboules sind sehr versteckt, sehen wie private Hauseingänge aus, die nachts auch verschlossen werden, tagsüber stehen sie offen. Auch wenn es sehr privat aussieht: reingehen! Man tappt dann etliche Schritte im Stockdunkeln bis man in einem prächtigen Innenhof steht und eine vierstöckige Fassade eines weiteren Renaissance-Kleinods betrachten kann.

Les Halles de Lyon
Wer einmal da einkaufen möchte, wo es Paul Bocuse und seine Küchenjungen tun, sollte in die Markthallen von Lyon gehen, die seit kurzem zu Ehren des Meisters Les Halles Paul Bocuse heißen. Atmosphärisch gesehen können sie es mit dem Wochenmarkt von Ravensburg oder den Stuttgarter Markthallen nicht aufnehmen. Zum Glück sind sie trotz der feinsten Delikatessen, die dort verkauft werden, noch längst nicht so überkandidelt degeneriert wie der Münchner Viktualienmarkt, in dem jede Kirsche einzeln im Körbchen platziert wird. Auch die Freundlichkeit des Personals, das sich ja sicher nur allzu oft den bloß gaffenden Touristen gegenübersieht, ist bemerkenswert. Am Viktualienmarkt wird man schon beim Schlendern beschimpft. Hier wird in Ruhe erklärt, geduldig beraten – wie eigentlich immer in Frankreich. Die Leute lieben das Essen, sind stolz auf ihre Produkte und freuen sich Neulinge einzuführen.

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Wir haben ein großes Souvenirpaket beim Käsehändler Marechal gekauft. Die wie Juwelen aussehenden und hervorragenden Kreationen des Konditors Seve haben wir allerdings gleich vor Ort verkostet – die lange Reise wollten wir ihnen nicht zumuten.

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Fazit, Halles de Lyon: nur zum Gucken lohnt es sich nicht – zu wenig Atmosphäre, zu steril. Aber wer was kaufen und probieren möchte – um die Mittagszeit haben der einige Restaurants geöffnet –, der sollte es nicht verpassen.

Das Hotel Royal
Und das Hotel selbst? Klasse ist die zentrale Lage am Place Bellecour. Den kennt jeder, er ist leicht anzusteuern und man ist sofort mittendrin in der Stadt, erreicht die Sehenswürdigkeiten alle zu Fuß. Und selbst wenn man das nicht will: eine Metrostation ist direkt vor der Haustür. Parkmöglichkeiten sucht man vergeblich – man lässt den Wagen vom Hotelangestellten wegparken (16 Euro pro 24 Std.)

Als Hotel dient ein stattliches Jahrhundertwendehaus wie sie in Lyon in ganzen Straßenzügen noch existieren. Innen hat es zwar einerseits den Bürgerhauscharakter – andererseits aber wegen der langen Flure doch noch ein bisschen Hotelatmosphäre.
Aber es gibt einige

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Ideen am Einrichtungskonzept, die hervorragend sind.
Zum Beispiel der rote Salon: Ein gemütlich plüschiges Zimmer im 1. Stock, das den Gästen sozusagen als externes Wohnzimmer dient.

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Getränke wie Wein, Champagner, Tee stehen dort zur Selbstbedienung bereit – ob es den Champagner immer oder nur am Sonntag (unserem Anreisetag) gibt, kann ich nicht sagen. Wunderbar ausgestattet ist der Frühstück- und Restaurantbereich. Die Speisen stehen zur Selbstbedienung im Ambiente einer französischen Landhausküche – alles, was gekühlt werden muss hinter Kühlschränken mit Glastüren. Viele regionale, alles erstklassige und frische Produkte. Dazu Croissants, Minibaguettes, mehrere Sorten an Kuchen, Kaffee. Allerdings taugte der gar nichts, auf dem angebotenen Cappuccino kräuselte sich irgendwas, aber kein Milchschaum. Der Cafe Noir war auch nix. Naja, zum Kaffee genießen fährt man wohl besser nicht nach Frankreich.

 

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Unser Zimmer selbst war klassisch möbliert, für unseren Geschmack zu kühl gestaltet – warum Hotels so gerne die Farbe dunkelblau einsetzen? Das Bett war allerdings der Hammer – man fühlte sich wirklich wie auf Wolken, schwebte förmlich auf diesem weichen Thron. Warum das so ist? Wir haben herausgefunden, dass über der Matratze noch eine Übermatratze (Surmatelas) lag – eine daunengefüllte, mindestens 6 cm hohe Decke, die einen sanft einsinken ließ. Ist das frankreichtypisch? Jetzt suchen wir so etwas für Zuhause!

Bei HRS wird das Hotel für 150 Euro DZ ohne Frühstück angeboten. Die Klassifizierung mit 4 Sternen geht voll in Ordnung. Tendenz eher nach oben, allerdings doch noch deutlich davon entfernt. Das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt also – wobei wir weniger in der (gehobenen) Mittelklasse nächtigen. Entweder einfache Pension oder dann gleich Luxusklasse.

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Das nervte: Überall in der Stadt stehen die für Kurzstrecken kostenlos ausleihbaren Fahrräder der Werbefirma JCDecaux, die auch das System in Paris installierte. Nur als Tourist kommt man da nicht ran. Auf Nachfrage bei der Tourist Info hieß es, die Verleihautomaten akzeptierten nur französische Kredit- oder EC-Karten zur Autorisierung. Ob das die richtige Erklärung war? Jedenfalls haben wir jeden Tag Dutzende von Touristen gesehen, die verzweifelt versuchten, eines dieser Fahrräder auszuleihen, ewig mit dem Automaten kämpften und schließlich entnervt aufgaben.
Die Dinger an jeder Ecke zu sehen, aber keine Möglichkeit zu haben, sie zu fahren, das nervte mich jedenfalls gewaltig. Ob’s in Paris auch nicht funktioniert?

Anmerkung: Der Titel zu meinem Blogposting wurde inspiriert von Orangette' s Posting "Lyonized". Sie liefert darin eine ausführliche Beschreibung der Bouchons "Le Bouchon des Filles" und "Café des Federations".

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