Sympathisches Guerilla-Marketing
Für openPR brauchts starke Nerven

Macht Marketing unglücklich?

Eigenartige Thesen, die der amerikanische Marketing-Guru Seth Godin heute äußert.

"A journalist asked me, Most people have a better standard of living today than Louis XIV did in his day. So why are so many people unhappy?

What you have doesn't make you unhappy. What you want does.

And want is created by us, the marketers.

Marketers trying to grow market share will always work to make their non-customers unhappy."

Ist also das Marketing dafür verantwortlich, dass die Leute unglücklich oder zumindest unzufrieden sind? Oder überschätzt da nicht einer das Marketing ganz gewaltig?

Kommentare

Tobias

So abwegig erscheint mir die These nicht, in etwas abgeschwächter Form ist es ja fast gängige Meinung: Menschen beurteilen ihr Wohlbefinden meistens nicht absolut, sondern in in Relation zu ihrer Umwelt (natürlich gilt das nicht für konstruierte Extrembeispiele: wem gerade ein Arm abgeschnitten wird, den tröstet es wenig, wenn er von 10 Leidensgenossen umringt ist, denen das Gleiche widerfährt).
Seth Godin geht natürlich viel weiter: wir sind nicht nur unglücklich, weil andere "mehr" haben, sondern weil wir durch Werbung erfahren, was mir mehr haben könnten...
Das geht mir auch zu weit, ich denke die Bedürfnisse sind von vornherein da und werden nach Maslow's Pyramide sukzessive akut - Werbung erschafft diese Bedürfnisse nicht, sondern zeigt konkrete Wege auf, diese zu befriedigen.

Wolff Horbach

Es ist m.E. ein Zeichen unserer Zeit, dass sich sehr viele Menschen durch Besitz und Konsum definieren. Vor nicht allzu langer Zeit war umfassender Besitz ein Privileg einer äußerst schmalen Oberschicht.

Heute erwarten sehr viele Menschen, dass sie durch den Erwerb von Gütern (mein Auto, mein Haus, mein Boot) und den Konsum angesagter Markenartikel (Rolex, Prada, Porsche, ...) sozial aufsteigen.

Die Glücksforschung belegt aber eindeutig, dass dies gewaltige Irrtümer sind (übrigens: der Buddha wusste das schon vor 2.500 Jahren). Der Vergleich mit Menschen, die mehr haben, die reicher, schöner, gesunder sind, macht nachweislich unglücklich.

Und da Marketingfachleute versuchen, Bedürfnisse zu wecken, also die unglücklich machenden Vergleiche anheizen, hat Seth Godin wahrscheinlich Recht. Leider.

Ich fände es sehr interessant, zu untersuchen, wie denn die zweifellos exzellenten Kenntnisse und Fähigkeiten von Marketingfachleuten dazu eingesetzt werden könnten, Menschen glücklich zu machen anstatt sie zum Unglück zu verführen.

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