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Manchmal sind es Kleinigkeiten, die groß wirken

Wie Nine Inch Nails ihr neues Album verschenkten und trotzdem 1,6 Millionen US Dollar einnahmen

Seit März 2008 verschenken Nine Inch Nails ihr Album Ghost 1-4 im Internet. Jedermann darf es herunterladen, anhören, kopieren, weiter versenden, ja sogar remixen.
Trotzdem ist das Album bei den Amazon MP3-Charts die Nummer 1 des Jahres 2008 - obwohl es dort 5 US Dollar kostet. Wie kann das sein?
Das Reizwort "kostenlos" war nur der Einstieg in eine recht differenzierte Preis- und Angebotsstrategie. Denn kostenlos ist nicht das komplette Album, sondern nur eine "schmale" Version von nur 9 Titeln. Es gibt es eine Vielzahl von Kaufoptionen, die geschickt zwischen Fans und "normalen" Kunden unterscheiden und jedem das Produkt in diversen Editionen anbieten

  • Das komplette Album (36 Titel) kann man für 5 US Dollar bei Amazon oder auf der Website zum Album herunterladen. Nach Presseberichten hätte das in den ersten beiden Wochen 1,6 Millionen US Dollar eingebracht.
  • Das Album in der höherwertigeren Audio-CD-Edition ( 2 CD plus 16seitiges Booklet) kostet 10 US Dollar.
  • Eine Deluxe Edition, bestehend aus dem Album in diversen Datenformaten. 2 Audio CDs, 1 Data DVD, eine Blu-ray Disc in High Definition 96/24 Stereo inkl. Photo-Slideshow und kostet 75 US Dollar.
  • Eine Deluxe Limited Edition in einer limitierten Auflage von 2.500 Exemplaren zum Preis von 300 US Dollar. In dieser Deluxe Limited Edition waren u.a. zusätzlich ein Fotobuch mit einer Signatur von Bandleader Trent Reznor und 4 Vinyl Scheiben enthalten. Interessanterweise war diese Edition bereits nach 2 Tagen ausverkauft. Sie wird heute bei Amazon als Sammlerstück für 900 - 1.000 US-Dollar angeboten.

Rund ein Drittel der Gesamteinnahmen, die demnach schon bei 2,35 Mio. liegen,  kam demnach von den Fans, die die teuerste Edition kauften - und das in nur 2 Tagen.

Zur Download-Website: Ghosts

Mehr zum Thema "Kostenlos-Strategien" demnächst in WerbePraxis aktuell.

Mehr zum Thema "Fan-Strategien" in "Marketeasing. Werbung total anders"

Kommentare

Götz

Ein schöner Beweis dafür, wie man Kunden mit unterschiedlichem Wertempfinden für das Produkt (der eine ist ein riesiger Fan, der andere findet es nur ganz nett) fair behandeln und zum Kauf bewegen kann. In Zeiten wo eine Madonna 2 Millionen US-Dollar mit CD-Verkäufen verdient, aber 10 Mio. mit Konzerten (2007), werden wir solche Angebote in Zukunft häufiger sehen.

Gerade im Bereich Musik und digitale Medien wird dann die Grundversion als Download oder schmucklose CD/DVD/BlueRay recht günstig verkauft (wohlmöglich so billig, dass der Konsument ohne großes Involvement gleich zuschlägt) und der Handel wird für den Fan eine teure, aber wirklich wertige Deluxe-Version bereithalten (mit tollen Drucksachen, Extras, Blechdose, Schnickedöns...).

Schwierig wird dann nur die Gratwanderung genügend Kunden für beide Versionen zu finden. Das beschäftigt mich auch gerade.

Das Album vor Ghosts hat NIN übrigens komplett verschenkt...

Bernd Röthlingshöfer

Und ich frage mich, wie die Analogien zur Buchbranche aussehen...

Matthias Schwenk

Die Analogien zur Buchbranche sind nicht schwer auszumachen: Den Text als simples Pdf gibt es kostenlos als Download, höherwertige Versionen (bebildert oder mit interaktiven Grafiken, je nach Genre) gegen Entgelt, ebenso die gedruckte Version bis hin zu signierten Exemplaren. Machbar wäre das schon. Man muss nur wollen, ein bisschen experimentieren - und sich von alten Gewohnheiten lösen können.

André Loibl

Was für ein geniales Marketing - oder?! ;-)
Verschenken und trotzdem jede Menge Geld damit verdienen, ganz im Sinne der "Generation G" ;-)
Was die Bücher angeht, stimme ich Matthais zu - mit ein bischen Mut lässt sich da einiges machen... ;-) Ist auch eins meiner nächsten Projekte - mein Buch, was ich bisher gratis auf meiner Seite als reines PDF anbiete als gedruckte bzw. "hörbare" Version zum Kauf anzubieten... ;-) Bin schon gespannt!!! ;-)

Viele liebe Grüsse,
André

Andreas Hartmann

Nur, dass "Autoren-Fans" ein bisschen anders drauf sind und insgesamt wohl etwas seltener anzutreffen. Ansonsten denke ich auch, dass man auch bei Büchern viel in der Hinsicht machen kann. Andererseits sind Hör- bzw. Leseproben ja nun wirklich nichts neues, da gehören schon ein paar mehr Ideen dazu.

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