Seit ein paar Tagen habe ich den Amazon Kindle im Test. Das Gerät, das (zumindest wenn man den enthusiastischen Ausführungen von Bodenseepeter glauben will) den Buchmarkt revolutionieren wird.
Nun ist es ja durchaus so, dass ich mir diese Revolution wünsche. Bücher sind ziemliche Platzfresser und sobald man umzieht, schädigen sie den Rücken. Manche Sach- und Fachbücher haben eine Halbwertszeit von wenigen Monaten. Rumstehen tun sie danach noch immer.
Also es gibt eigentlich keinen Grund, warum diese Dinger (Bücher) in derart physischer Präsenz als kommendes Altpapier mein Leben teilen. Ja, das spricht für das elektronische Buch.
Und dann wünsche ich mir den Erfolg des elektronischen Lesens auch aus einem ganz handfesten Grund: Für den Kindle kann jeder Autor Werke produzieren und veröffentlichen. Vom Verkaufspreis bleiben dem Kindle-Autor 70 %. Bei den meisten Verlagen und deren gedruckten Büchern erhält der Autor maximal 10 – 20 % der Verkaufssumme als Honorar. Das ist doch mal ein Argument! Auch Sie als Leser könnten diese Kindle-Bücher billiger erhalten. Sie kosten weder Lager- noch Verkaufsfläche, schonen den Wald und müssen nicht im Rahmen eines luxuriösen Logistiksystems über die Straßen gefahren werden, um zu Ihnen zu kommen. Kindle-Bücher sind grün!
Aber ich fürchte, diese Revolution wird nicht gelingen. Denn der Kindle ist sexy wie Sauerkraut. Der Kindle ist eben kein Buchersatz oder gar etwas Besseres. Aus mehreren Gründen:
- Das Lesen auf dem Kindle ist in etwa so lustvoll wie das Lesen eines PDF am Computer.
- Das Gerät versprüht den Charme eines Hartplastik-Taschenrechners aus den 70er Jahren. Wahlweise erinnert es auch (dank der blöden Tastatur) an die Aura eines Businesskasper-Blackberry.
- Das Format – liegt mir nicht. Ebenso wenig das Bildschirmblitzen beim Blättern.
Und trotzdem liebe Leser: Bitte kauft das Gerät.
Ich verspreche dann auch die Bücher preiswerter zu machen. Nicht so wie die deutschen Verleger, die Kindle-Versionen zum gleichen Preis wie gebundene Bücher oder gar teurer als ihre Taschenbuchausgaben anbieten.
Damit betreiben die Verleger natürlich Artenschutz für den Buchhandel. Aber das ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Denn in einer Kindle-Welt werden Buchhändler so selten wie Geigenbauer. Wetten?




