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Kompliment an die Deutsche Bahn und ihr Social Media Team

Wer sich bei Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken der Kritik ausgesetzt sieht, der hat es nicht immer leicht: Wie auf den (oft verständlichen) Ärger der Kunden reagieren? Unternehmen, die zu schablonenhaft antworten, verschlimmern das Problem eher. Deshalb muss jede Kritik eine individuelle Reaktion erfahren.

Und genau diese perfekte individuelle Reaktion ist der Deutschen Bahn gelungen, wie Sascha Hüsing in seinem Blog "Im Zug unterwegs" berichtet.

Was ist passiert? Nutzerin Franzi-Do machte ihrem Ärger auf humorvolle Weise Luft, indem sie der Deutschen Bahn die Liebesbeziehung aufkündigte.

"Meine liebste Deutsche Bahn, 

seit vielen Jahren führen wir nun eine abenteuerliche Beziehung. Wir haben Tiefen überstanden, in denen du sehr einengend und besitzergreifend warst und mich manchmal überraschend mehrere Stunden festgehalten hast, weil es dir nicht gut ging. Ich verstehe ja, dass dich der Winter so überrascht hat. Für uns kam er auch so plötzlich.

… Dass du mich jetzt aber bei klirrender Kälte fast 45 Minuten warten lässt ohne Bescheid zu sagen und dann gar nicht auftauchst, das geht nun wirklich zu weit.

... Es tut mir sehr leid, aber ich denke nun wirklich über eine endgültige Trennung nach."

Und was macht die Bahn... antwortet auf die gleiche humorvolle Weise:

"Hallo meine liebste Franzi Do,

es tut mir so leid. Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit viele Fehler gemacht habe und nicht immer pünktlich bei unseren Treffen war. Dafür möchte ich mich in aller Form bei Dir entschuldigen. Ich habe die Zeit mir Dir sehr genossen. Manchmal wollte ich, dass sie kein Ende hat. Das ich manchmal anhänglich bin, weiß ich. Es fällt mir schwer loszulassen. Dass ich Dich mit dieser Zuneigung erdrückt habe, ist unentschuldbar und mein größtes Laster. Das wir heute einen Termin hatten, habe ich total vergessen. Wo und wann waren wir verabredet? Ich schaue dann gerne einmal in meinem Terminkalender nach.

... ich werde dich vermissen!"

Inzwischen haben zahlreiche Zeitungen das Thema aufgegiffen. Hier können Sie die ganze Geschichte bei Facebook nachlesen.



Die etwas andere Art der Schaufensterwerbung. Oder: Warum Unternehmensgründer auch gute Geschichtenerzähler sein sollten

DSC07502Wer ein Unternehmen gründet, der sollte nicht nur lächeln, sondern auch gute Geschichten erzählen können. Eine gute Geschichte fliegt ihm gleich zu Beginn zu: Die Geschichte der Gründung. Wie kam es zur Idee, warum mache gerade ich das, warum habe ich den Standort gewählt, welche Ideen und Ziele habe ich für mein Vorhaben, warum sollten Kunden gerade zu mir kommen?

Ganz super finde ich, was die beiden Unternehmensgründerinnen Heide Hankel und Eva Hörster im Dortmunder Rosenviertel (Rosental 11) machen. Sie renovieren dort gerade ein Ladengeschäft, um darin ihr geplantes Feinkostgeschäft „Heidi & Eva. Weine & Gute Zutaten“) einzurichten. Die beiden erzählen die Geschichte ihrer Ladenrenovierung. Dabei haben Sie die Schaufenster mit Packpapier zugeklebt und teilen den Passanten jeden Tag schriftlich mit, was hinter dem Packpapier passiert.

1. Tag:. Rigipswände sind raus. Olli hat gewütet

2. Tag Schutt ist weg. Unser Tagesheld war heute Karl ...

10. Tag: Jeanne & Margaux waren zu Besuch und haben ganz viele bunte Stühle zusammen gebaut. 


Schon stellt sich der erste PR-Erfolg ein: 3. Tag. Die Presse war da. Vielen Dank an den PR-Berater Wolfgang Bergfeld, der die tolle Idee gefunden hat, Fotos machte und mir das Bildmaterial zusandte. Er baut übrigens gerade auf dieser Website ein Portal mit wertvollen Infos für Bewerber auf.


Pay what you want: Zahlen Sie, was Sie wollen

Originelle Preismodelle beobachte ich seit Jahren und habe bereits mehrfach darüber geschrieben.

Jetzt hat auch ZEITONLINE über eine solche Aktion berichtet, die mit großem Erfolg durchgeführt wurde.

Vom 1. Dezember 2012 bis zum 6. Januar 2013 durften die Besucher des Zoos in Münster selbst bestimmen, wieviel ihnen der Zoobesuch wert war. Das Ergebnis bescherte dem Zoo gleich mehrere Rekorde: bester Dezember überhaupt, bester Tag des Jahres. Mehr als 56.000 Menschen kamen im Aktionszeitraum in den Zoo - das waren 5 x mehr als im Jahr zuvor.

Interessant: Während ein normales Ticket 14 Euro kostet, zahlten die Besucher nun nur noch 4,76 Euro im Durchschnitt. Trotzdem nahm der Zoo das 2,5-fache ein. Dafür sorgten auch die Cafeteria und die Parkgebühren.


Was macht das Schwein in der Bibliothek?

Bildschirmfoto 2013-01-11 um 09.04.45Es wird zerlegt. Passend zu der Meldung, dass wir Deutschen pro Kopf 60 kg Fleisch jährlich verzehren, stoße ich auf diese unappetitliche Nachricht: Die Johnson County Bibliothek hat eine Veranstaltung unter dem Motto "Books & Butchers" ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Events hat da am 2. November 2012 ein Metzger ein Schwein vor rund 100 Zuschauern zerlegt. "Erwarten Sie keine langweilige Präsentation", so der Werbetext, "wir haben ein richtiges Schwein, mit richtigen Messern und schneiden wirklich in richtiges Fleisch. Das wird richtig unterhaltsam!"

Spätestens bei diesen Zeilen wird es richtig eklig. Die einzige inhaltliche Begründung für dieses Spektakel findet sich auch auf der Website: Der Metzger habe sein Know-how natürlich aus Büchern.

Eine böse Vorahnung befällt mich. Veranstaltungen wie diese werden wir wohl auch bald in Deutschland sehen. Denn ich befürchte, dass sich zwar weniger Bibliotheken als vielmehr dahinsiechende Buchhändler in ihrer Verzweiflung auf zweifelhafte Eventideen in Kürze nur so stürzen werden.