Google kauft Motorola. Jetzt reicht’s oder? Google als Suchmaschine, Google Maps als Navi, Google Places als weltweites Branchenbuch, Google Android mit allen Diensten auf dem Smartphone, Google+ als Netzwerk, Google zum Spielen - die Liste ist verdammt lang und immer noch unvollständig.
Ja: Google hat's (fast) geschafft. Google regelt in einem Land wie Deutschland den Zugang zum Verbraucher und zum potentiellen Kunden. Ohne gutes Google Ranking oder ohne Adwords kommt man im Internet kaum zu neuen Kunden. Google hat das Neugeschäfts-Monopol.
Bereits 2008 schrieb ich einen Artikel in WerbePraxis aktuell mit Tipps für Unternehmen, die Ihnen dabei helfen sollten, die Abhängigkeit von Google (AdWords) zu verringern. Heute fiel mir der wieder in die Hände. Aktueller denn je. Denn heute geht es nicht mehr allein darum sich aus der Abhängigkeit von Google AdWords zu befreien. Heute muss man die Abhängigkeit von Google insgesamt verringern. Deshalb habe ich die damaligen Tipps überarbeitet und aktualisiert.
9 Tipps wie Sie Ihre Google-Abhängigkeit verringern
Tipp 1: Bauen Sie die direkten Informationskanäle zum Kunden auf. Bestehende Kunden sollten über einen direkten Informationsweg zu Ihnen verfügen. Das heißt: Bloggen Sie, nutzen Sie Twitter, Facebook und andere Möglichkeiten, um sich direkt mit Kunden und Interessenten zu vernetzen. Bauen Sie einen Live-Chat in Ihre Website oder Ihren Shop ein. Nutzen Sie jeden Berührungspunkt zum Dialog!
Versuchen Sie die Zahl der Newsletter-Empfänger zu erhöhen. Ein gut gemachter Newsletter und die passende Strategie werden dafür sorgen, dass Sie aus den bestehenden Kunden weit mehr Umsatz generieren können als bisher. Ergänzend dazu, können Sie auch RSS-Feeds anbieten – etwa für die Noch-Nicht-Kunden, die vor einer namentlichen Registrierung noch zurückschrecken.
Tipp 2: Optimieren Sie Ihr Produktangebot. Das ist eine Überlebensaufgabe für jeden Shopbetreiber. Finden sie attraktive Produkte, vor allem solche, die nicht überall erhältlich sind. Es klingt banal, aber die Produktauswahl ist schon die halbe Miete. Trennen Sie sich von den schlecht laufenden Produkten, versuchen Sie Trends zu entdecken und optimieren Sie Ihr Angebot jeden Tag.
Tipp 3: Machen Sie wechselnde Angebote. Ein Shop, dessen Warenregale immer gleich aussehen, wird irgendwann langweilig. Mehr Kaufanreize schaffen Sie nur, wenn Sie monatlich oder wöchentlich neue Angebote oder Angebotspakete schnüren. So schaffen Sie für bestehende Kunden mehr Anreize bei Ihnen einzukaufen.
Tipp 4: Aktivieren Sie die Schläfer. Machen Sie den Kunden, die lange nichts bestellt haben, ein besonderes Angebot, das sie zur Rückkehr in Ihren Shop verleitet.
Geradezu beispielhaft agiert der Wäscheversender Nastrovje Potsdam, kurz napo-Shop http://www.napo-shop.de), der die Wäschelabel Viva Maria und Pussy Deluxe vertreibt. Kunden, die nach einer Bestellung lange nichts mehr von sich hören lassen, werden permanent durch einen Newsletter über neue Produktangebote informiert. Zusätzlich aktiviert werden sie durch die Übersendung von Gutscheinen – 10 % Gutschein oder 10 Euro Nachlass, die zu einem Spontankauf verleiten sollen.
So nicht: Ein abschreckendes Beispiel liefert dagegen der Zweitausendeins Buchversand. Er schreibt die Kunden, die ein Jahr lang inaktiv waren an und fragt sie, ob sie ihren Katalog überhaupt noch erhalten wollen. Nennt man so was verkaufen?
Tipp 5: Starten Sie ein Weiterempfehlungsprogramm. Belohnen Sie Kunden, die Ihnen neue Kunden bringen. Dass dies hochwirksam ist – keine Frage. Der Mobilfunk-Billiganbieter Simyo gewinnt neue Kunden zunehmend über die Empfehlung durch Bestandsnutzer. Jeder dritte Kunde kommt durch Mundpropaganda zu Simyo. Hier ist noch ein sehr gelungenes Beispiel: Der amerikanische Schuh-Shop DSW sendet Stammkunden eine E-Mail mit einem Nachlass-Coupon von 30 %. Das ist großzügig, aber der Clou kommt erst jetzt: Jeder Stammkunde darf die an ihn gerichtete E-Mail unbegrenzt weiterleiten. Jeder weitere E-Mail-Empfänger erhält dann ebenfalls einen Nachlass von 20 %. Beide Gutscheincodes sind bereits in der E-Mail enthalten.
Machen Sie die Weiterempfehlung einfach. Machen Sie hinter jedes Produktangebot einen kleinen Button – „Diesen Link merken bzw. einem Freund empfehlen“.
Tipp 6: Bauen Sie Live-Elemente auf Ihrer Website ein. Verzichten Sie nicht auf Live-Shopping-Elemente wie z. B: die Hitliste der meistgekauften Produkte des Tages, der Woche, des Monats – je nach Kundefrequenz in Ihrem Online-Shop.
Tipp 7: Erhöhen Sie das Vertrauen. Das, was Online-Kunden häufig vom Einkauf abhält, ist mangelndes Vertrauen in den Anbieter. Vertrauen schaffen können Sie ganz einfach: Ermöglichen Sie Ihren Kunden Kommentare zu Ihren Produkten und Ihrem Service abzugeben. Dokumentieren Sie die Kundenzufriedenheit und Kundenstatements gleich auf der Startseite. Gut ist es im Shopbereich auch eine Rubrik „Was andere über uns sagen“ zu haben. Dort können Sie Blog-Kommentare und Pressemeldungen sammeln. Für Kunden mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis eine prima Möglichkeit, den Informationsbedarf zu stillen. Sammeln Sie positive Bewertungen, wo es geht.
Tipp 8: Geben Sie Bestellabbrecher nicht verloren. Schreiben Sie Bestellabbrecher an. Fragen Sie, woran es scheiterte – Sie gewinnen dadurch wertvolles Feedback. Legen Sie Ihrem Anschreiben an Bestellabbrecher einen Gutschein bei, um sie verstärkt zum Einkauf zu motivieren.
Tipp 9: Investieren Sie mehr in den Kundenservice. Schaffen Sie mehr Serviceangebote für Ihre bestehenden Kunden. Beispiel: Der Pflanzenversender Lubera hat sich ganz von Google AdWords verabschiedet. Dafür hat er den Service auf seiner Website verbessert. In einer Rubrik „Fragen und Antworten“ gibt es nun Tipps für Pflanzenfreunde, unter Bildern stellen Kunden ihre Prachtexemplare aus. Neu gestartet wurde auch ein Empfehlerprogramm. Ergebnis: Lubera spart nun monatlich rund 2.000 Euro an AdWords-Ausgaben ein, dennoch hat er ein Umsatzplus von 10 % gegenüber dem Vorjahr erzielt.
Die Liste ist sicher unvollständig. Aber das zeigt doch: Es gibt genügend Ideen und Möglichkeiten gegen das Google-Neugeschäfts-Monopol anzutreten. Schreiben Sie mir, welche Maßnahmen Sie einsetzen und mit welchem Erfolg.